Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die Religion, ein Naturgesetz der Seele
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 87 (sequence 15)
- Language
- German
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87 Seligkeitsempfindens der religiösen Seele, ihre Fortentwicklung von der Schule bis zum Grabe ist die Wertung des Lebens und seiner Erfolge im Dienst der allumfassenden Liebe, und chre Vollendung ist das Entzücktjein vom Heimatsgefühl, von der sicheren Rückkehr zur unendlichen Allliebe, die Gewißheit sieghafter Einkehr der geläuterten Seele in den Wonnegarten der Glückseligkeit. Das Fazit ist: Die Natur des Geistes offenbart die Naturgesetze der Religion. Denkend schaue ich den Vater und Urheber des Alls, fühlend meine Ohnmacht, flüchte ich anbetend zum Allmächtigen, wollend strebe ich nach der Vollkommenheit des Urideals, handelnd folge ich Pflicht und Gewissen, und ersehnend die Lust der Ewigkeit suche ich Liebe und Seligkeit. Die Seele ist mir eine Lyra mit fünf Saiten, aus denen je ein Ton der Religiosität schallt, die aber alle zusammenfließend ein Psalmodium des reinen Menschenherzens ergeben, voll göttlicher Harmonie — die Religion.