Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 70 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114447--2883-3114538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
70 so glücklich organisiertes Talent nach einem so viel verheißenden Anfang schon so früh am Ziel angelangt, ein so Helles Feuer so rasch verbrannt sein sollte. Bialyk ist vielleicht der größte hebräische Dichter seit Jehuda Halevi, dessen Divan in deutscher Übertragung in neuer vermehrter Auflage erschienen ist. In die jüdische Poesie des Mittelalters fuhrt übrigens ein hübscher Vortrag von F. Perles geschickt ein. Es bleiben noch die hebräischen Gedichte von V. Castiglioni, die jüdischdeutschen von I. L. Glück und eine sehr gelungene Übersetzung der Strophen von Omar Chajjam von I. Massel mit Anerkennung zu erwähnen. * * Sehr gering ist diesmal die Ausbeute auf p o litis ch em und sozialem Gebiete. Vielleicht ist das auch gut so. Denn was wir bisher aus diesem Rayon erhalten haben, entsprach weder den Forderungen der Wissenschaft noch den Ansprüchen, die das Judentum auf objektive Auffassung und Beurteilung zu stellen wohl berechtigt ist. Am wenigsten können wir mit den soziologischen Untersuchungen uns einverstanden erklären, die nach dieser Richtung hin von verschiedenen angestellt wurden, so von A. K. Amitai, ferner in verschiedenen Essays von Kurt Alexander über die soziale Unruhe der modernen Juden und von Emil Cohn über das jüdische Problem. Auch D. Arthur beschäftigt sich mit diesem indem er die Frage aufwirft: Die Juden, sind sie das auserwählte Volk? und mit großer Gelehrsamkeit aus der ganzen heiligen Schrift den Nachweis erbringt, daß diese nur einem Israel nach dem Geiste die Stellung eines auserwählten Volkes zuerkenne und somit von einem Vorrang Israels als Nation „weder in den Propheten noch innerhalb der göttlichen Heilsökonomie des neuen Bundes die Rede sein könne." Vom katholischen Standpunkt aus sucht H. Rost das sogenannte Problem zu erfassen. Ganz anderer Meinung ist natürlich Ch. Muentz in seiner Schrift: Wir Juden; mit der Lösung der Judensrage