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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 259

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 259 (sequence 58)
Language
German
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259 . . . so stand er auch zu seinem Bruder, und manchmal scheint es mir, als ob er sich im Geheimen Vorwürfe mache, daß der, den er so hoch mitemporgehoben, so tief gefallen sei . . ." „Aber um des Himmelswillen, Mama, das ist doch nicht seine Schuld, wahrhaftig nicht . . . was kann er für die Schwäche dieses Armseligen? ..." „Vielleicht ist er ein Schwächling geworden neben dem Starken. Wie häufig mag es Vorkommen, daß jemand, der stets gewohnt war, sich auf andere zu stützen, dieser Stütze beraubt, zu Falle kommt ..." „Dann müßte man ja jeden auf die eigene Kraft stellen ..." „Versuchen sollte Man es wohl", sagte sie nachdenklich, „jedensfalls, es ist etwas in Papa, was in dunklen Zusammenhängen steht mit der Geschichte dieser Abtrünnigkeit seines Bruders; die Enttäuschung allein kann es nicht sein, die ihn so niedergedrückt . . ." „Aber was ist da zu tun?" „Man darf nicht darnach forschen, nicht daran rühren . . . jede Andeutung, die ich anfangs manchmal versuchte, beunruhigt ihn . . ." „Und wenn Ihr nach Berlin zurückkommen werdet? Die Verbannung kann doch nicht immer währen . . . wir bedürfen Eurer, wie Ihr unserer bedürft! Ihr sollt Eurer Kinder Euch erfreuen, . . . Eurer Enkel . . . Das Haus ist verödet, das Ihr für uns zur Stätte der Freude gemacht, zum Tempel der Liebe und Dankbarkeit . . . sollen wir büßen, was jene gefehlt . . . sollen wir? . . ." „Max, mein teurer Sohn,... hoffen und vertranen wir auf Gott, . . . auf den Gott unserer Väter! Diese Zeit der Trennung wird vorübergehen, schneller hoffentlich, je konsequenter wir sie durchführen, sage das unseren Lieben daheim. Deinen Brüdern und Arthurs Frau ... es sind prächtige Geschöpfe, die mit Euch und für Euch empfinden und Euch und uns diese Situation erleichtern werden . . . Eure Kinder sind noch jung und entbehren uns nicht, und Dortha bleibt bei uns ... sie ist unser guter Engel lind trägt viel zu Papas Aufheiterung bei. . 17*

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