Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mischpoche
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 52)
- Language
- German
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253 „Und Wo bleibt Julius?" fragte jetzt auch Max erstaunt. „Auf den Wechseln des Herrn von Wörlitz vermutlich!" rief Georg übermütig, „nein wirklich, Kinder, man kann die Sache auf die Dauer nicht ernsthaft nehmen. Was ich da erzählte, hat Sperling wörtlich dem Bankdirektor Pfeiffer gesagt, und Kurt hat es mir gestern Abend wiedererzählt. Kurt Pfeiffer ist ein toller Bruder, wird aber im Namen seines Vaters nichts sagen, was nicht wahr ist." „Und übrigens", rief Betty, „das sieht Schmerbauch so ähnlich. Ich höre ihn förmlich, wie er mit seiner gedehnten, salbungsvollen Stimme fortfuhr: Tiefste Erschütterung bemächtigte sich des kleinen Kreises, der mit frommen Schauern dem heiligen Vorgang folgte. Zwei irrende Menschenkinder wurden mit den Segnungen eines Glaubens geweiht, den sie demütigen und reinen Herzens empfingen . . Sie parodierte so ausgezeichnet, daß alle ihr aufs höchste belustigt zuhörten. „Besonders Tante von Kobold, von der die Tradition nicht meldete, ob sie eine Erb- oder nur eine Stammtante sei, vergoß Tränen der Rührung und umarmte die neue Christin, Frau Mali . . . Pardon, Frau Maria, Elisabeth, Louise Löwenberg, während Herr von Wörlitz seinem frisch getauften Schwiegervater errötend ins Ohr flüsterte, daß der nächste Täufling von diesem Altäre sein Enkel sein würde ..." „Bravo, Betty, bravissimo", jubelte Georg. „Das hast Du reizend gemacht und nur so kommt man über seine Entrüstung und seinen Aerger hinaus, über diese Renegaten, die einen Glauben annehmen äußerer Vorteile und Eitelkeiten halber, dessen hohen, sittlichen Gehalt einer lehrte, der aus der Judenheit hervorgegangen, die seiner wunderbaren Erscheinung und seiner, diesem Boden entsprossenen, ethischen Ideen sich in leidvollem Stolze rühmt." Sie waren nachdenklich geworden bei seinen Worten und eine Pause trat in der Unterhaltung ein, die Georg nach einigen Minuten mit den Worten unterbrach: „Und