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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 230

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 230 (sequence 29)
Language
German
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230 vor einer neuerlichen Katastrophe". Wie in jähem Erschrecken fuhr Dr. Seligsohn empor. „Ja, erschrick nur, als wäre es heute .... so fürchterlich war es damals, so unmöglich, so unfaßbar, denn dieser zweite Bankrott hätte uns für immer vernichtet, hinabgestoßen in die Hoffnungslosigkeit ewiger Entehrung. Es mußte Hilfe geschaffen werden und — sie wurde geschaffen. In Gestalt von Abraham Bendel trat sie an uns heran. Er hatte den größten Teil der von uns akzeptierten Wechsel in seinen Besitz gebracht, und nun bot er uns diese und eine außergewöhnlich große Mitgift dazu an, wenn Israel seine Tochter Mali heirate. Niemand wußte genau, wie wir standen; gingen wir auf den Handel ein, waren wir gerettet, größer als je standen wir da, nachdem wir eine solche Krise überstanden, und so war es in der Tat, und ich . . . und ich . . . ich griff nach diesem Rettungsseil. Israel war gefügig . . . auch er sah nur eins . . .die Errettung vor erneuter Schande. Nur einem alles zu dekouvrieren, einem alles aufzuklären galt es noch — deinem Vater! Es war eine schwere Stunde, die schwerste meines Lebens. Er verlangte, daß wir noch einmal auf uns nehmen und tragen sollten, was wir gesündigt .... ich suchte ihm die Unmöglichkeit zu beweisen... ich bat, ich weinte, ich drohte ... ich drohte, die Schmach nicht überleben zu wollen . . . und ich — blieb Sieger. Er trug aus jener Unterredung die Todeswunde mit fort . . . ." „Sage das nicht, um Gottes Willen, Samuel! -Sage das nicht, sündige nicht. Der Herr bestimmt über Leben und Tod .... hörst Du wohl, ich, sein Sohn, sage Dir: dli jiobjs u ml jomus!" Da sah der tief Erschütterte ihn mit dankbarem Blicke an . . . „Du hast recht, die tiefsten Tröstungen findet man in den Verheißungen unseres Glaubens"! Weit hinaus erglänzte das Meer, und am fernen Horizonte verschwamm die weißliche Sonnenlinie des Mittagsgestirns mit dem blauenden Wasser zu göttlicher Schönheit.

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