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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 203 (sequence 2)
Language
German
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203 fertigten. Ihre Mutter war ganz trostlos, der Vater behauptete, er habe immer gesagt, es sei ein Wagnis, nur der Onkel Hirsch erklärte kaltblütig: »Lok saucher le pleite;“ das aber klang recht kleinmütig und im tiefsten Herzensgründe war er wohl am meisten von der geschäftlichen Katastrophe seiner Neffen erschüttert. Der Cynismus, mit dem er darüber witzelte, sollte nur die Leute über seine wahren Empfindungen täuschen. Aber in seinem Innern wühlte es, und er dachte Tag und Nacht darüber nach, wie er der Firma Gebrüder Löwenberg in Weißenburg wieder äufhelfen könnte. Endlich kam er aus den üblichen Ausweg, den Gläubigern einen kleinen Prozentsatz ihres Guthabens zu bieten und sie auf künftige bessere Zeiten des Geschäfts zu verweisen. Und es gelang seiner Ueberredungskunst, den Ausgleich zustande zu bringen. Die ganze Mischpoche der Löwenbergs und Seligsohns mußte beisteuern, um das dazu erforderliche Kapital züsammenzubringen. Da es meist Hausierer und kleine Handelsleute waren, ging das nicht ohne Schwierigkeiten ab. Aber die Beredsamkeit, die Hirsch Seligsohn den Gläubigern gegenüber aufwendete, wußte er in noch erhöhtem Maße im Kreise der Familie wirksam zu machen. Die Idee der Solidarität und Hilfsbereitschaft, einmal angeregt, drang durch, und Hirsch Seligsohn hatte die Freude, seine Vorschläge vom Familienrat angenommen zu sehen. Dieses Famllieninteresse legte den beiden Brüdern die größte Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue auf, und da sie überdies jetzt besser fundiert waren, als bei der Begründung ihres Geschäftes, so entwickelte sich dieses von dem denkwürdigen Zeitpunkt an sehr günstig und die Gebrüder Löwenberg in Weißenburg gehörten bald zu den Kaufleuten, die für „gut" galten. Die Erfahrungen der ersten Jahre kamen ihnen auch zu statten, und als nach kurzer Zeit erst Samuel sich verheiratete, wie er es sich und seiner Mischpoche schuldig war, mit einer angemessenen Mitgift, und einige Jahre später auch Israel eine sehr „reiche Partie" machte, war das Aufblühen des Hauses Löwenberg besiegelt. Von jetzt ab ging es stetig aufwärts.

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