Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Mose Haim Luzzatto
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Freiheit, die auf natürlichem Wege zu erkämpfen ihm bereits zu einer Unmöglichkeit wurde, weshalb es die messianische Erlösung durch Wunder zu beschleunigen suchte. Und ebenso war es bereits manchem Juden unerträglich geworden, in geistiger Knechtschaft zu leben; sie strebten nach innerer Befreiung, nach einem neuen Lebensinhalt und nach neuen Idealen. Indessen zerrten sie nur vergebens an ihren Ketten, die umso tiefer ihnen ins Fleisch schnitten. Jeder Versuch des jüdischen Volkes, das schwere Joch von sich abzuschütteln, endete mit neuen Drangsalen und mit neuer Schmach. Und jedes Streben nach neuem Leben brachte nur neue Wirren und neue Verirrungen. Diese Erscheinung charakterisiert unsere Geschichte seit dem Beginn unserer Knechtschaft bis gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Zu den vielen Blutzeugen, welche die Geschichte des jüdischen Volkes aufzuweisen hat, gehört auch der große, reich begabte Dichter Mose Halm Luzzatto, der vor zweihundert Jahren im Ghetto zu Padua das Licht der Welt erblickt hat. Seine Erlebnisse, das bittere Leid, das diese zarte Dichterseele zu erdulden hatte, erregen unser Mitleid für den unglücklichen Dichter, der im Alter von kaum vierzig Jahren so tragisch geendet hat. Aber nicht Luzzatto allein gehört unser Mitleid, sondern dem ganzen jüdischen Volke, das nach vielen Jahrhunderten der geistigen Müdigkeit einen gottbegnadeten Dichter hervorgebracht hatte, einen Dichter, reich an Phantasie und Schöpfungskraft, innig vertraut mit der Formenschönheit und dem Wohllaut der biblischen Sprache, mit einem feinen Sinn für poetische Schönheit begabt, und dieser Dichter wurde, bevor er noch das Höchste geschaffen hatte, was unstreitig in seinem Genie lag, ein Opfer der widrigen Verhältnisse, der unerträglichen stickigen Luft im Ghetto, der trostlosen Zustände, die damals in der Judenheit herrschten. Mose Hcüm Luzzatto hätte uns zweifellos in der weltlichen hebräischen Poesie das Schönste geboten, was je in hebräischer Sprache geschaffen wurde. Denn sein dichterisches Genie reicht unstreitig an das Jbn- Gabirols und Juda Halevis heran. Jn^der Beherrschung