Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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setzbar sch einen. Das Ursprüngliche ist in allen Fragen kräftiger, einheitlicher, reiner als alles Abgeleitete. Das Judentum hat sich in den Jahrtausenden erhalten. Ob es sich weiter erhalten wird, darüber haben wir nicht Vermutungen zu hegen. Die Gesinnungen und Bestrebungen, welche auf eine allmähliche Ausrottung gerichtet sind, kennzeichnen sich und richten sich somit selbst als Gegensatz zur Humanität. Aller Staatsweisheit und Geschichtsphilosophie dieser Art gegenüber fordern wir, daß es sich weiter erhalten muß; wir fordern dies aus der prinzipiellen Lage der religiösen Dinge heraus. Und der andere Punkt ist die Tendenz der modernen Kultur, und zwar des modernen Staates. Die Wissenschaft bildet zwar die Grundlage; aber wofern sie nicht in systematische Philosophie hinausgeführt wird, kann sie noch keine hinreichende Bürgschaft für wahrhafte ethische Kultur gewähren. Der Staat dagegen steuert immer zielbewußter jetzt auf seine Souveränität hin, und auf seine sittliche Selbständigkeit. Der Staat ist das zentrale Problem der modernen Völker; und ihm enthüllt sich das unentrinnbare Schreckbild des Anarchismus, wo immer eine Macht der Erde sich dem Mittelpunkt entgegengestellt, den er für die sittliche Kultur bildet. Der Staat wird daher auch die Versöhnung der Religionen zu Stande bringen, um sie für das Ideal der systematischen Ethik im Staate der Ethik dienstbar zu machen.