Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Ausgabe gestrichen hat, ist nur unerfindlich. Interessante Probleme aus dem jüdischen. Leben der Gegenwart behandelt Herman Blumenthal in seinem Roman: Der Weg der Jugend. In ein ganz neues Gebiet führt uns Martin Buber ein, indem er die Geschichten eines Chassids aus dem 18. Jahrhundert des Rabbi Nachmann, der vielleicht der einzige Märchendichter der Juden, zugleich auch der letzte jüdische Mystiker war, nacherzählt. Diese Geschichten erschließen dem europäischen Lesepublikum ein unbekanntes Stück der Weltliteratur. Sie haben ihre eigenen Ideen und Symbole, sie bereiten durch die Kraft und Farbe, durch die Reinheit und Innigkeit der Stimmung einen wahrhaft künstlerischen Genuß. Die jüdisch-deutschen Erzählungen derLegenden von chassidischen Rabbinern, die Josef Sofer gesammelt, können keinen Vergleich damit aushalten. Die liebenswürdigen Geschichten von I. L. Perez sind ins Englische von Helen Frank übertragen worden und werden so diesen echten Dichter in weitere Kreise einführen. Die Novelle: Die Jüdin von I. Zangwill ist aus dem Englischen wieder einmal ins Deutsche übersetzt worden. Geschichten aus dem Talmud erzählt E. R. Montague seinen englischen Lesern. L>ehr erfreulich ist es, daß zwei ältere Autoren, die Begründer der böhmischen und mährischen Judengeschichten, Leopold Kompert und sein Schüler oder Nachfolger Eduard Kulke, mit ihren gesammelten jüdischen Geschichten in neuen Ausgaben vertreten sind. Man gewinnt dadurch erst recht ein Bild der Persönlichkeit Komperts, der unzweifelhaft einer der feinsinnigsten deutschen Novellisten gewesen ist. Weniger anmutig ist das Gesamtbild Eduard Kulkes, und doch wird man diesem Manne Unrecht tun, wenn man ihn nicht aus seiner Zeit heraus, sondern aus einem ganz anderen literarischen Milieu, nämlich aus dem der Gegenwart betrachtet. Auf dramatischem Gebiet sind eine ganze Reihe von Versuchen zu nennen, von denen aber außer dem Drama von Beer-Hoffmann: Der Graf von Charolais, keins die Bühne zu erobern vermocht. Dagegen ist ein älteres russisches Drama von Eugen Tschirikow: Die Juden,