Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5666
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
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19 und vaterländischen Verdienste jedes Bürgers, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, bereitwillig anerkannt; hier werden sie für das Vaterland ausgenützt, ohne daß man ängstlich fragt: was ist Abstammung und Religion? Ist doch jetzt ein in der Rheinpfalz geborener Jude, Oskar S. Straus, zum Minister der Union, und zwar zum Staatssekretär für den Handel vom Präsidenten Roosevelt ernannt worden, nachdem er schon vorher amerikanischer Gesandter in Konstantinopel und Bevollmächtigter beim Haager internationalen Schiedsgerichtshof gewesen war. Die Berufung Straus', der jetzt 56 Jahre alt ist, in das Handelssekretariat ist um so wichtiger, als dieses das Einwanderungsgesetz zu handhaben hat. Nunmehr sind die armen jüdischen Immigranten freundlicher und nachsichtiger Behandlung sicher. Beteuerte doch Herr Straus, der auch sonst ein treuer und für seine Glaubensgenossen sehr tätiger Israelit ist, erst kürzlich: „Die armen Einwanderer werden der: ersten Platz in meinem Herzen einnehmen." Das ist eine erfreuliche Aussicht für die unglücklichen Opfer des heiligen Rußland und des unheiligen Rumänien. Während im fernen Westen eine neue große jüdische Gemeinschaft sich in immer mächtigerem Umfange entwickelt, zeigt die jüdische Kolonisation in Palästina nur einen langsamen Fortschritt. Das ist auch so lange nicht anders möglich, wie solche hauptsächlich dem Ackerbau zugeführt wird. Denn, wie die jüngste Darlegung des Jewisch Colonization Association (Hirsch-Komitee) beweist, haben sich von allen Pflanzungen in Palästina bisher, unter den besonderen politischen und ökonomischen Bedingungen der Gegenwart, nur die Oelbaum-Kulturen als eines gesicherten Erfolges fähig erwiesen. Diese aber erfordern nicht sowohl kleine Ansiedler, als vielmehr große und einigermaßen kapitalskräftige Besitzer, sind also für die Mehrheit der jüdischen Einwanderer nicht geeignet. Es ist deshalb durchaus angemessen, wenn die Bestrebungen einsichtiger jüdischer Freunde des heiligen Landes jetzt vor allem auf Förderung des Handwerks und zumal des Kunsthandwerks sowie der Fabrikation unter den Juden 2*