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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 17

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Rückblick auf das Jahr 5666
Date
1907-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 sich eine beträchtliche jüdische Gemeinde gebildet, die ein lebhaftes Interesse für die Angelegenheiten und Bestrebungen der Glaubensgenossenschaft auch außerhalb ihres Bezirkes erweist. Zum Oberrichter des englischen Distriktes Hongkong wurde ein Jude, I. R. Michael, ernannt. Als dieser den vorgeschriebenen Eid auf die Bibel zu leisten hatte, tat er es nach jüdischem Ritus, den Hut auf dem Kopfe. Die wirklich religiös denkenden Engländer sind mit solcher Treue gegen die Vorschriften der jüdischen Ueberlieferung durchaus einverstanden: was würden unsere pseudofrommen deutschen Chauvinisten über derartige „Verjudung" zetern! Ebenso nehmen in Australien die Juden, die seit langem gewerblich und politisch eifrig für den Aufschwung der nun vereinten englischen Kolonien des fünften Erdteils gearbeitet haben, eine sehr geachtete Stellung ein. Trotz ihrer geringen Anzahl — etwa 23 000 Seelen — sitzen viele von ihnen in den gesetzgebenden Versammlungen, bekleiden Bürgermeister- oder Oberrichterposten, ja haben Ministerportefeuilles inne. Es wird dort eben der Begabung und der redlichen Arbeit Aller, ohne Unterschied des Glaubens, gleich sehr Rechnung getragen. Freilich besitzt das helle Bild auch seine Schatten. Die religiöse Gleichgiltigkeit ist groß unter den australischen Juden, und die Mischehe übt auf die israelitische Gemeinschaft ihre zersetzende Wirkung in weitem Umfang. Auch ist die Selbstsucht so stark, daß die australischen Israeliten bisher die Einwanderung russischer und rumänischer Flüchtlinge stets zu vereiteln gewußt haben. Allzu viel Glück ist nie für die Juden von guter sittlicher Wirkung gewesen. Im Gegenteil nimmt das britische Südafrika unsere armen Glaubensbrüder aus dem europäischen Osten ohne viele Schwierigkeiten auf. In der Kapkolonie giebt es jetzt 20000, in Transvaal gar 25000, in Natal 4000 Juden, die sich bereits als solche bekennen und würdige Gotteshäuser erbauen. In mehreren Städten, wie in Kimberley und der Kapstadt selbst, haben Juden die Ehrenstellung eines Bürgermeisters eingenommen. 2

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