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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 16

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Rückblick auf das Jahr 5666
Date
1907-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Ein anderer Israelit, Herbert Samuel, wurde Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, dessen Leiter, Herbert Gladstone, ebenso wie Samuel selber entschlossen ist, die Bestimmungen des Fremdengesetzes in einem den unglücklichen jüdischen Schlachtopfern der russischen Autokratie möglichst günstigen Sinne anzuwenden. Schwere Bedenken erregl auch unter den liberalen Juden Englands der neue Schulgesetzentwurs, der alle öffentlichen Erziehungsanstalten in die Hand des Staates gibt, den Religionsunterricht bedeutend einschränkt und das Dasein der jüdischen Schulen ganz in das Belieben der Lokalbehörden stellt. Ebenso fürchten die Juden freu neuen Gesetzentwurf zur Aufrechterhaltung der Sonntagsruhe, weil deren Erzwingung jüdischen Handwerkern und Geschäftsleuten die Heiligung des Sabbats sehr erschweren und zum Teil ganz unmöglich machen würde — eine Folge, die sich bei uns in Deutschland nur allzu deutlich herausgestellt hat. Zwei Ruhetage in jeder Woche sind in der Tat für Menschen zu viel, deren Unterhalt von ihrer angestrengten täglichen Arbeit abhängt. Die Juden verlangen, daß, wie in einigen Staaten Nordamerikas, denjenigen ihrer Glaubensgenossen, die ihren Sabbat beobachten, die Geschäftstätigkeit am Sonntag gestattet werde. In der großen britischen Kolonie Kanada ist dieser Wunsch nicht erfüllt worden. Ein Amendement, daß die Juden von dem Zwange zur Sonntagsruhe befreit werden sollten, wurde bei dem betreffenden Gesetze im kanadischen Senat eingebracht, aber verworfen. Es läßt sich nicht leugnen, daß durch solche Gesetze die Lage der der alten Ueberlieferung treuen Israeliten eine sehr schwierige wird. Bisher galt in Kanada nur die Vorschrift, daß an einem Tage in der Woche — gleichviel welchem — geruht werden müsse. Die neue, den Juden ungünstige Gesetzgebung ist dem Einflüsse der Jesuiten auf den französisch redenden, katholischen Teil der kanadischen Bevölkerung zu danken. Unter denr Schatten der englischen Flagge setzt sich das Judentum auch in China immer fester. An Stelle der beinahe verschwundenen alten Gemeinden entstehen neue lebensfrische Organisationen. In Schanghai hat

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