Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gestalten aus dem Osten
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 39)
- Language
- German
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199 getragen und dein Armen glückliche Stunden bereitet hatte, und dieser Gedanke inacht ihm das Sterben leichter. „Moses . . . Du allein bist mir geblieben . . . hast mir beigestanden in meiner Todeskrankheit . . . Moses, lieber guter Moses ... ich schenke Dir die Geige. . . ." Freudig zuckte es auf in dem Gesicht des armen Moses. So war denn sein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, er durfte die geliebte Geige sein nennen, brauchte keine Flöte mehr zu blasen, und durfte so traurige schöne Weisen spielen, wie Jakob, der Sargmacher. Leise war er aufgestanden, hatte die Geige aus dem Kasten genommen, und jetzt, das geliebte Instrument an die Brust drückend, setzte er sich an Jakob's Lager hin auf die verwaiste Hobelbank, dann begann er zu spielen ... die Atemzüge des Sterbenden wurden immer leiser . . . dann war der alte Sargmacher gestorben . . . und durch die Stube schluchzte wehmütig der Ton der Geige. ...