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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 196

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gestalten aus dem Osten
Date
1906-01-01
Page
Seite 196 (sequence 36)
Language
German
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190 „Warum nicht gar, dummer Jud!" höhnt ihn Jakob, „willst mir vielleicht in der Arbeit helfen, oder gar kochen, jetzt wo ich arme Christenseele so verwaist bin. . ." „Ich will Dich die Geige spielen hören", kommt es kleinlaut aus dem Munde des Juden. „Aha, die Geige", schreit wütend der Andere, „die sticht dir schon lang' in's Auge, aber die erlebst Du nicht. Scher dich zum Teufel, betrügerischer Jud'!" Da wendet Moses sich zum Gehen; ein tiefer Seufzer hebt seine Brust, als er den Sargmacher in die Hütte treten sieht. Einen Augenblick bleibt Jakob Iwanow unschlüssig vor der Türe stehen, die offen ist, und von der aus man das ganze Innere der Lehmhütte übersehen kann, die Jakobs Eigentum ist, dann winkt er Moses zurück. „Sage dem Schaschke, daß ich heut Abend zu ihm kommen will — jetzt paßt es sich nicht. Besuche zu machen; jetzt will ich an die verstorbene gute Seele denken", und er verschwand in der Stube, setzte sich an das Bett, in dem Marja gestorben war, und begann — zu trinken. Wohlgemut begibt er sich bei einbrechender Dunkelheit zu Schaschke und als er dann spät abends den Rückweg antritt, da ist sein Gang etwas schwankend unb sein Auge getrübt. Trotzdem erkennt er aus dem kleinen Holzbänkchen vor der Türe den dort in Schlaf versimkenen Juden. „Was zum Teufel hast Du schon wieder bei mir zu suchen?" schreit er und beutelt den aufgeschreckten Moses unsanft an den Ohren. „Mir wills nicht recht gefallen, daß Du Dich immerfort da herumtreibst," lallte er. „Du willst mich armen Menschen sicher berauben oder willst Du mich gar ermorden? ..." Und er zittert am ganzen Leibe. „Ich will Dir nichts Böses tun", beteuert Moses; „ich will garnichts — ich war blos eine kleine Weile drinnen bei dir in der Stube. . . ." „Das unterstehst Du Dich, Du Hund!" brüllt Jakob, „was hast Du mir genommen? Du Räuber! Du Dieb! ..."

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