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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gestalten aus dem Osten
Date
1906-01-01
Page
Seite 186 (sequence 26)
Language
German
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186 daheim vorfindet — verfolgen Sie genau diese schreckliche Geldgier, die unmenschliche Grausamkeit, die sechs Menschen ohne jedes Schwanken zu solch grausiger Tat vereinigt, die niederträchtige Treulosigkeit gegen Menschen, die ihnen gastfreundlich entgegenkamen, und vor allem diese bestialische Roheit des Alten, der den Kopf der armen Christen mit Krautköpfen vergleicht, die man lachend abhaut. Das heißt nicht den Mord predigen aus Hunger und Elend — nein, darin liegt die ganze Weltanschauung dieser Nation, die untereinander Zusammenhalten wie Brüder — gegen uns aber von tierischem Hasse beseelt sind und keinen Augenblick davor zurückschrecken würden, uns aus die grausamste Weise zu vernichten! Kann man mit solchen Menschen Mitleid empfinden? Vermag man an diese erbärmlichen Juden das Maß der Humanität und der allgenieinen Menschenliebe anzulegen?" „Wahrlich, er hat Recht! Es ist zu schändlich!" „Es ist unerhört, und Wahnsinn läge in dem Verlangen," sagte Dorja Wassiljewna, und ihre Blicke hefteten sich voll höhnischer Schadenfreude aus die Mienen des Professors und ihres Gatten, „Wahnsinn wäre es, mit Leuten solchen Glaubens in Verkehr zu treten, wie Sie, Serkalow, dies öfters wünschten ..." „Aber verehrteste Dorja Wassiljewna," sagte mit der unschuldigsten Miene der Welt der junge Gelehrte, „kein Mensch wird Ihnen zumuten, mit Mördern an einem Tische zu speisen ..." „Und Sie selbst, Professor, haben Sie mir nicht unzählige mal den Verkehr mit Juden, ja neuerdings mit der von Ihnen so verehrten Familie Lewin angeraten?" „O, ein Glück ist es^" warf hier der Ingenieur dazwischen, „daß Sie sich davor zurückgehalten haben . . „Ja, sonst säßen wohl hier unter uns ein paar Mörder," sagte lachend der Hausherr, „und unsere sehr ehrenwerten Gäste wären ihrer Köpfe nicht ganz sicher." „Laß doch gütigst Deine Spötteleien," wehrte erregten Tones die Rätin, „die Sache ist doch zu traurig .

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