Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gestalten aus dem Osten
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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184 angefallen, und auf wahrhaft bestialische Art ermordet zu haben ..." „Gräßlich!" — „Schauderhaft!" — „O, diese gottverfluchten Sünder!" So schwirrte es im Tone höchster Entrüstung umher, dann aber wurde es mäuschenstill, und mit atemloser Hast verfolgten alle die Bewegungen Serkalow's, der sich zuerst durch einen tüchtigen Schluck aus seinem Weinglase stärkte, dann aber wieder seinen Entsetzen erregenden Bericht aufnahm: „Alle Angeklagten waren geständig, und auf die Frage des Richters nach den Beweggründen ihrer entmenschten Tat, erzählten sie die Beweggründe, und schilderten genau und bis ins kleinste Detail den grausigen Mord." „Von der Mobilisierung heimgekehrt, fanden sie daheim in ihrenr Dorfe," so sagte Schloime Schumiler, einer der Mörder, vor dem Gerichte aus, „die entsetzlichste Armut vor, die Ihren hatten keinen Verdienst, der Winter stand bevor, und sie fürchteten, später nicht einmal ein paar Kopeken für den geliebten Branntwein zu haben, da sagte der alte Dubinsky: „Du jüdische Seele, Du kommst vor Hunger um, und in Altai sitzen Kalmücken — Gojim; auf Haufen von Gold sitzen sie, wir werden chnen nehmen das Gold — sie werden sich nicht wehren — und wenn — so werden wir sie töten, denn einen Goi zu töten ist keine Sünde, bei Gott, dem Gerechten, das ist keine Sünde, denn es ist so, wie einen Krautkopf abschneiden, wenn man einen Kalmückenkopf — den Kopf von einem Goi abschneidet." Dieser Vorschlag des Alten fand die vollste Genehmigung der fünf anderen Juden, und so schnell wie möglich gingen sie daran, ihr gräßliches Vorhaben auszuführen. Noch am selben Abend, als die Leute im Dorfe bereits sich zur Ruhe begeben hatten, schlichen die sechs Missetäter auf' ein Haus zu, in dem eine größere Christenfamilie wohnte. Sie wurden aufs Freundlichste willkommen geheißen, mit Speise und Trank bewirtet, und aufgefordert irn Hause zu übernachten. Selbstverständlich nahmen die Verbrecher die Einladung