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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 148

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Leopold Kompert
Date
1906-01-01
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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148 sondern lasse wieder, wie in den letzten Tagen so oft, das gute Antlitz vor mir auftauchen — die klugen, milden Augen blicken mich an, und die Stimme trifft wieder mein Ohr, die Weiche Stimme, deren eigenster Tonfall es war, leise, wie klagend, zu vibrieren. Und die Stunben kommen wieder gezogen, die wir miteinander verbracht, und Wie sie eine nach der andern vor mir auftauchen und mich mit wehmütigen Augen anschauen und ich eine von ihnen festhalten will, um Jenen, welche ihn nicht gekannt, zu zeigen, wie er war, und Jenen, die ihr: geliebt, den Schmerz um ihn zu erneuern, da will mir keine von den Hellen so bezeichnend erscheinen, wie die erste schmerzliche Stunde, die er mir bereitet, jene, da er mir zuerst von seinem nahenden Tode gesprochen. Das war an einem Februartage von 1881 zu früher Vormittagsstunde und in meiner Wohnung, im „Schulhof". Ich war es gewohnt, ihn zu dieser stunde — für ihn, der in gesunden Tagen gern mit der Sonne ausstand, war es keine frühe — häufig bei mir zu fehen, und ebenso war mir seine Art und Rede beim Eintritt liebvertraut. Zuerst an der Tür ein schüchternes: „Ich störe doch nicht?", wie es vielleicht einen: Jünger gegen den Meister geziemt hätte, während es hier der rücksichtsvolle, zartbesaitete Meister an den Jünger richtete, dann die herzliche Frage nach dem Befinden und ein Händedruck von ganz eigener Art — es war etwas Erwärmendes, ich möchte sagen, Zärtliches in der Art, wie Kompert einem die Hand drückte, und ich habe heute die Empfindung, als verstünde das Niemand mehr auf der ganzen Welt so gut — dann als Drittes die ebenso ständige, durch ein Jahrzehnt bei jedem, selbst flüchtigen Begegnen wiederholte Erkundigung, wie es „feinem Buche ergehe", nämlich jenem meiner Bücher, meinem Erstling, dessen Widmungsblatt ich mit seinem Nanien schmücken durfte, und endlich einen Blick durchs Fenster auf den stillen, kurios geformten Platz, die Bemerkung: „Wie anders hat es einst hier ausgesehen", und im Anschluß daran irgend ein historisches Detail. Denn der kleine „Schulhof", wo nach seiner Ansicht im frühen

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