Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Raschi
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 1)
- Language
- German
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Wilhelm Bacher. tas Jahrhundert, das mit dem verhängnisvollen ersten Kreuzzuge abschloß, war das fruchtbarste und an mannigfalügen schöpferischen Kräften' reichste in der inneren Geschichte des mittelalterlichen Judentums. In seiner ersten Hälfte sah es im Osten die alten Sitze geistiger Kultur in neuem Glanze strahlen und gleichzeitig im Westen an verschiedenen Mittelpunkten der Diaspora ein reiches wissenschaftliches und literarisches Leben sich entfalten. Die Hochschulen von Pumbeditha und Sura durften noch einmal vor ihrem gänzlichen Erlöschen sich leitender und schaffender Männer erfreuen, während in Kairuwan bedeutende Schulhäupter die Überlieferungen der Gaonen lebendig erhielten und weiter vermittelten. In Spanien entstanden neben Cordova und Lucena neue Brennpunkte jüdischen Geisteslebens. Binnen weniger Jahrzehnte wurde auf der pyrenäischen Halbinsel die hebräische Sprachwissenschaft auf die Höhe systematischer Erkenntnis getragen, wurde eine tief in Ausdruck und Inhalt der heiligen Schrift eindringende Bibelexegese geschaffen, wurde die hebräische Poesie in neuen Formen und mit neuem Inhalte zu dauernder Blüte gebracht, würde nebst philosophischer Spekulation das Studium der anderen Wissenschaften eifrig betrieben, dabei aber auch die Pflege der Traditionsliteratur nicht vernachlässigt.