Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5665
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Kanada macht sich gegen die ohne alle Geldmittel, ohne jede Kenntnis der englischen Sprache und ohne technische Vorbildimg niassenhaft landenden Inden eine gefährliche volkstümliche Mißstimmung geltend, und der Premierminister Laurier ist entschlossen, ihr Rechnung zu tragen und nur noch, seien es bemittelte Leute, seien es Landarbeiter, zuzulassen. In Britisch-^üdafrika sind die Immigration erschwerende Gesetze ergangen. In England ist das berüchtigte Fremdengesetz endgiltig verabschiedet worden und damit in Kraft getreten. Der stets rücksichtslose, harte und chauvinistischeMinisterJoeChamberlain sprach dessen Ziel ganz offen aus: „Die einzige Lösung des Fremdenproblems wäre, die Juden nach einer andern Gegend zu senden, so daß sie sich nicht in England anhäufen." Zwar der'Premierminister Balsour behauptete, nn Widerspruch mit seinem Kollegen, die Bill stehe in gar keinem Zusammenhänge mit der Judenfrage' freilich fand er Worte der schmählichsten Brandmarkung gegen die Judenverfolgungen' freilich winde unter allgemeinem Beifall des Abgeordnetenhauses sestgestellt: „Wir habeil keine antisemitischen Strömungen in diesem Lande" — aber es droht doch die Tatsache, daß wieder ein großes Land deni überwiegender: Teile der jüdischen Auswanderung verschlossen würde. Da brachte die Regierulig selber eilt Amendement ein, wonach der Mangel an Mitteln ziim Lebensunterhalt kein Grund sein soll, einen Fremden aiiszuschließen, der in England nur einwmlderil will, um zu vermeiden, daß er aus religiösen oder politischen Gründen, oder wegen politischer Angriffe verfolgt oder bestraft werde, oder imi der Verfolgung wegen seiner religiösen lleberzengungen zu entgehen. Mit der Annahme dieser Zusatzbestimmung ist dem netten Gesetze seine drohendste Gestalt für die russischen und rinnänischen Juden, die ja vor religiöser Verfolgung fliehen, genomnien: aber die Warnung bleibt doch, daß die Ankunft dieser Elemente unerwünscht ist und streng überwacht werden wird. Auch in Amerika wird deren Einwanderung immer mehr erschwert: anstatt 1 pCt. von Jnunigranten, werden jetzt IO pCt. auf Grund mangelnder Subsistenz-