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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 8

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Rückblick auf das Jahr 5665
Date
1906-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Herr Billygin beabsichtigte zuerst, die Juden von der Reichsduma sowohl als Wähler wie als zu Wählende ganz auszuschließen. Allein der allgemeine Protest, nicht llnr der Judell, sondern vieler lokaler Vertretungen zwang den Ministerrat, von dieser Maßregel abzusehen. Die Juden treten in die Wahlbewegung mit der festen Absicht ein, ihre Zahl und ihren Einfluß in vollem Maße für die endliche Verwirklichung ihrer berechtigten Forderung voller Gleichstellung einzusetzen. Es ist das um so wichtiger, als die rat- und kraftlosen Zentralbehörden die Lösung der Judenfrage der Duma überwiesen haben — wenigstens haben sie es so verkündigt. Die ferllere Gestaltung der jüdischen Verhältnisse in Rußland hängt ganz und gar von der allgemeinen Entwickelung der innerpolitischen Angelegenheiten in diesem Staate ab. Setzell Graf Witte und dessen Freimde den Sieg des gemäßigten Liberalismus durch, so siegen mit diesem auch die' Juden' erhalten die reaktionären mld absolutistischen Elemente wieder die Oberhand, so gehen die Judell geradezu denl Verderben elltgegen. Die nächste Zllkunft wird also die Entscheidung über das Schicksal von sünf Millioneil Judell bringen. Es ist ein feierlicher Augenblick für die Geschichte unserer ganzen Gemeinschaft. Denll von der Befreiung dieser Hälfte der gesamten Judenheit hängt auch die physische, geistige imd sittliche Wiedergeburt so vieler Millionen künstlich ittld gewaltsanl Verkrüppelter ab. Die reichen Gaben, die in ihnen mit brutaler Macht zurückgehalten und auf falsche Wege geleitet werden, könnell sich nur in der Freiheit entfalten, 31t ihrem eigenen Heile, zum Ruhnl des Judentums und zunl Bestell des russischen Staates lttld Volkes. Gänzlich hoffnullgslos liegen die Dinge in denl zweiten, kleineren Staate der Verfolgung, in Rumänien; vergebens wechselll dort die Parteien in der Regierung, vergebens erteilell König ilnd Minister den Juden die schönsten Worte: es bleibt für die Israeliten alles beim alterl. Es ist wahr, daß der höchste Gerichtshof des Landes auch in diesem Jahre erklärt hat: die in

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