Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 34)
- Language
- German
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157 wohnte, erschien diesmal niedergebeugt bei der Trauerfeier, mit welcher die Juden Königsbergs den Tod des großen und verdienten Berliner Denkers pietätvoll ehrten. Wir haben übrigens noch andere interessante Mitteilungen über das Verhalten Kants anläßlich des Todes Moses Mendelssohns. Der „Magus des Nordens", Hamann, ein Feind des Verfassers des „Phädon", kann nicht umhin, zehn Tage nach dem Tode Mendelssohns, am 15. Januar 1786, an Friedrich Jakobi*) zu schreiben, daß Kant bei der Nachricht von dem Ableben seines Berliner Freundes sich dahin geäußert habe: „Die Christen hätten nichts, desto mehr seine eigene Nation verloren, um die er sich auch in Handlungsgeschäften und öffentlichen Angelegenheiten sehr verdient gemacht haben soll durch sein gesundes, praktisches Urteil. Von seiner Schreibart ist Kant ganz eingenommen, bewunderte einst seinen „Jerusalem" wie ein unwiderlegliches Buch, ist noch willens, mit der Zeit über die „Morgenstunden" etwas herauszugeben, eilt aber jetzt mit der Ausgabe seiner eigenen Werke." In einem anderen Briefe**) kommt Hamann noch ausführlicher auf Kants Verhältnis zu Mendelssohn zurück: „Von Brahl (einem durch seine Kenntnisse wie durch sein Urteil höchst achtenswerten Manne) habe ich erfahren, daß Kant erklärt hat, daß er etwas in die Berliner Monatsschrift über die Verdienste Mendelssohns um die jüdische und christliche Religion wollte einrücken lassen, wenn es dort ausgenommen würde, und soll bis znr Schwärmerei von Mendelssohns Originalgenie und seinen „Jerusalem" eingenommen gewesen sein. Das erste soll er in die Geschicklichkeit gesetzt haben, mit der Mendelssohn die Kunst, sich jeden Umstand zu Nutzen gemacht gewußt, jede Hypothese in ihr günstiges Licht zu setzen." Wie ganz anders, wie warm und anerkennend klingt doch dieses letztere Urteil Kants im Vergleich zu dem ersteren, besonders wenn man dabei erwägt, daß Hamann, der Mystiker und Phantast, immer und immer bestrebt war, das Genie und die Verdienste Mendelssohns nach Kräften herabzusetzen. *) Friedrich Zakobis Werke. Band IV. Abteilung 3, Seite 142. **) A. a. O. Seite 202 ff.