Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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155 der Seele sein, deren ich hier so gänzlich entbehren muß und die ich mit der Zunahme der Jahre vornehmlich vermisse; denn, was die des Körpers betrifft, so werden Sie mich deshalb schon kennen, daß ich daran nur zuletzt und ohne Sorge oder Bekümmernis denke und mit meinem Anteil an den Glücksgürern völlig zufrieden bin. Ich habe es indessen nicht so einzurichten gewußt, daß ich von dieser einzigen Gelegenheit, einen seltenen Mann zu genießen, recht hätte Gebrauch machen können, zumteil aus Besorgnis, ihm etwa in seinem hiesigen Geschäfte hinderlich zu werden. Er tat mir vorgestern die Ehre, zween meiner Vorlesungen beizuwohnen, a la fortune du pot, wie man sagen könnte, indem der Tisch auf einen so ansehnlichen Gast nicht eingerichtet war. Etwas tumultuarisch muß ihm der Vortrag diesmal vorgekommen sein; indem die durch die Ferien abgebrochene Prälektion zumteil summarisch wiederholt werden mußte und dieses auch den größten Teil der Stunden wegnahm; wobei Deutlichkeit und Ordnung des ersten Vortrags größtenteils vermißt wird. Ich bitte Sie, mir die Freundschaft dieses würdigen Mannes ferner zu erhalten." Und in einem Brief Kants an Marcus Herz ein Jahr später schwärmt er noch immer von diesem lieben Besuch seines Berliner Gelehrten mit den Worten: „Grüßen Sie doch Herrn Mendelssohn von mir auf das Verbindlichste und bezeugen ihm meinen Wunsch, daß er in zunehmender Gesundheit seines von Natur fröhlichen Herzens und der Unterhaltungen genießen möge, welche ihm dessen Gutartigkeit zusamt seinem stets fruchtbaren Geiste verschaffen könne". Wie gemütlich und vertraulich die Unterhaltungen der beiden Philosophen gewesen sein mochten, erkennt man schon daraus daß beide auch ihren Gesundheitszustand erörterten und daß Mendelssohn dem kränkelnden Kant, der namentlich an Verdauungsstörungen litt, allerlei Medikamente anempfahl, von deren Wirkungen sich der Alte von Königsberg so viel versprach, daß er seinen Freund Marcus Herz bat, sie ihm in Form von Rezepten zu verschreiben. Ein anderer Schüler Kants, Christoph Jakob Kraus, welcher damals in Königsberg im Hause des Grafen Kayserling Hofmeister war und später eine ordentliche Professur der Mathematik und Philosophie an der ostpreußischen Universität