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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 154

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 154 (sequence 31)
Language
German
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154 schriftlichste grüßen und chm die Versicherung seiner größten Ergebenheit melden zu lassen. Großen Respekt flößte chm besonders auch der so klare, lichtvolle und volkstümliche Stil des Verfassers des „Phädon" ein, namentlich wenn er ihn mit dem seinigen verglich. Je dunkler die Worte Kants waren, desto willkommener erschienen chm die Ausführungen des allgemein verständlichen und geistvollen philosophischen Schriftstellers. „Man soll zwar," meinte er, „so wenig allen Verfassern einen Stil, wie allen Bäumen eine Rinde wünschen, aber dennoch scheint uns Mendelssohns Schreibart für die Philosophie die zuträglichste zu sein. So frei von aller Sucht nach blendendem Schmuck und doch so elegant; so scharfsinnig und doch so deutlich; so wenig auf Rührung dem Schein nach arbeitend und doch so eindringlich! Wenn sich die Muse der Philosophie eine Sprache erkiesen wollte, so würde sie diese wählen". Der Weise von Königsberg nannte seinen großen Antipoden ein „Genie, dem es zukäme, in der Metaphysik eine neue Bahn zu brechen, die Schnur ganz aufs neue anzulegen und den Plan zu dieser noch immer aufs bloße Geradewohl angebauten Disziplin mit Meisterhand zu zeichnen". Groß war die Freude Kants, als er endlich im Sommer 1777 Mendelssohn in Königsberg persönlich kennen lernte, nachdem er so lange schon mit ihm in regem Briefwechsel gestanden hatte. Mendelssohn hatte nämlich im genannten Jahre eine Geschäftsreise nach Memel unternommen und auf der Fahrt dahin verweilte er sowohl auf dem Hinweg als auf der Rückreise mehrere Tage in Königsberg. Natürlich verfehlte er nicht, der Zierde dieser Stadt seine Aufwartung zu machen. Auch wohnte er sogar einigen Vorlesungen des Verfassers der „Kritik der reinen Vernunft" bei. Wie dieser den Besuch Mendelssohns aufnahm, erkennt man aus dem Briefe, den er am 20. August 1777 an Marcus Herz schrieb. Er sagt darin: „Heute reist Ihr und, wie ich.mir schmeichle, auch mein würdiger Freund Herr Mendelssohn von hier ab. Einen solchen Mann, von so sanfter Gemütsart, guter Laune und hellem Kopfe in Königsberg zum beständigen und innigen Umgänge zu haben, würde diejenige Nahrung

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