Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Christus=Barabas
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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75 scheinlich, ba% der Ausspruch: „Sein Blut komme über uns" gelegentlich aus bloßem Mißverständnis umgedeutet worden ist. Das gleiche mag bei dem Barabas der Fall sein, wo gerade der Doppelsinn, daß Barabas einerseits gelegentlich als Name vorkommt, andererseits eine symbolische Bedeutung in dem Sinne von Sohn des Vaters hat, einer allmählichen Umwandlung des Textes Vorschub leisten müßte*). Dem modernen Leser der Evangelien ist Barabas ein konkreter Mensch: je näher man ihm kommt, um so schattenhafter wird er. Er ist das Ergebnis des dichtenden Volksgeistes, welcher mehr und mehr Barabas als Gegenart gegen Christus Gestalt gibt, bis in dem Worte des Johannes „Barabas aber war ein Mörder" die Gegenüberstellung ihren klassischen Ausdruck gefunden hat. *) Hierbei ist namentlich auch die Wanderung der Evangelien nach Westen zu berücksichtigen, wo die aramäische Bedeutung des Namens Barabas doch immer nur wenigen bekannt war. Ein Gegenstück in umgekehrter Richtung bietet eine der wenigen Stellen des Talmud, an denen von Christus die Rede ist. Hier wird Christus als der Sohn des Pandera bezeichnet. Und wie kam man zu dieser Bezeichnung? Griechische Spötter machten aus dem Wort: „Geboren vonder Jungfrau" (Parthena) durch Umstellung von zwei Buchstaben „geboren von der Panthern" (== dem Panther, dem Symbol des Dionysos). Die Juden aber, welche das nicht verstanden, faßten Panthera als Eigennamen auf und bezeichneten Pandera als Vater Jesu.