Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Hillel und seine Zeit
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 13)
- Language
- German
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64 Der Gipfelpunkt der genannten Dichtung liegt in der bekannten Erzählung von den drei Ringen, die ein sterbender Vater seinen drei Söhnen übergeben hat. Einer dieser Ringe war echt und besaß die Wunderkraft, „beliebt zu machen vor Gott und Menschen angenehm". Die beiden anderen Ringe waren dem ersten nachgemacht. Jeder der drei Söhne behauptete den echten Ring zu besitzen und beanspruchte die mit diesem Besitze verknüpften Vorrechte. Der Richter, an den sie sich nun wandten, beschied sie dahin, daß jeder der Brüder durch seine Betätigung der reinen Liebe und der rechten Menschlichkeit die Echtheit seines Ringes beweisen könne. Die drei Brüder sind in der Dichtung der Jude, der Christ und der Muselmann und die Ringe sind ihre Religionen, die jeder für die allein wahre hält. Das Kennzeichen der echten Religion ist die lautere Menschenliebe. Unsere Devise sei das Wort des griechischen Dichters Sophokles: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da" (Antigone).