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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 54

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Hillel und seine Zeit
Date
1905-01-01
Page
Seite 54 (sequence 3)
Language
German
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54 geschlechter gehörten, zahlreiche Anhänger gefunden. Diese Kreise bildeten den Grundstock der Partei der Sadducäer, die sich durch die zeremoniellen Schranken der mündlichen oder überlieferten Lehre des Judentums, die sich seit Esra besonders herausgebildet hatte, beengt fühlten, dieselbe deshalb verwarfen und sich nur an die Bibel hielten, die sie in ihrer Weise auslegten. Dem vollen Lebensgenüsse Hingegebenleugnelen sie das Jenseits und vergaßen über die @rbe den Himmel. Dieser Partei stand die der Essäer oder Essener gegenüber, welche in der Uebertreibung der levitischen Reinheitssatzungen auf rituelle Waschungen und Taufbäder, die späteren Taufen, einen allzugroßeu Wert legten, abseits vom öffentlichen Leben sich in mönchischerOrdensgemeinschast einander anschlossen und ein frommes, tugendhaftes, asketisches, mystisch beschauliches Leben führten, in dem sie in ihrer Schwärmerei über dem Himmel die Erde vergaßen. Die Pharisäer wiesen in ihrem starken nationalen Bewußtsein jeden Anschluß an die griechische Kultur mit ihrer fremdartigen religiösen Anschauung entschieden zurück und suchten die Wurzeln ihrer Kraft im eigenen Volkstum und in der treuen Pflege der schriftlichen und mündlichen Lehre, in deren Wahrung sie die Bürgschaft des Fortbestandes des Judentums erblickten. Nach den Worten Jesu waren die Pharisäer die größten Heuchler, Buchstabenmenschen, die in den Geist der Bibel nicht eingedrungen sind, aber die Evangelien waren Parteischristen, nach denen man die Angegriffenen nicht beurteilen kann. Harnack sagt in seinem sensationellen Buche „Das Wesen des Christentums" (66) von ihnen, „daß sie das Volk in Banden hielten und ihm die Seele mordeten". Das ist schon deshalb eine Uebertreibung, weil die Masse des Volkes selbst zu den Pharisäern gehörte. Einzelne tadelnswerte Pharisäer kann es wohl gegeben haben. Der Talmud selbst (Sota 22) brandmarkt die Scheinheiligen unter ihnen, die mit ihrer Frömmigkeit prahlen, ihre Tugend zur Schautragen imb aus purer Heiligkeit.die Augen verdrehen, wenn ihnen ein schönes Weib begegnet. Der Typus der echten Pharisäer war Hillel. Er hat zur Begründung der Traditionen im Schristworte und behufs der Fortbildung des überlieferten Gesetzes in Bezug auf

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