Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5664
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 Staaten 8011 und scheint sich 1903/t 904 noch gesteigert zu haben. Kn den letzten sechs Jahren haben mindesteus fünszigtausend Juden das ungastliche Lan.> der Bojaren verlassen, zur Sorge selbst vieler rumänischer Politiker, die einen wirtschaftlich tätigen Bestandteil ihrer Heimat entzogen sehen. Trotzdem ist eine grundsätzliche Aenderung in der Haltung der rumänischen Regierungskreise den Israeliten gegenüber nicht zu erwarten. Zwar hat der höchste Gerichtshof in Bukarest wiederholt das Urteil gefällt, daß alle in Rumänien geborenen Juden als rumänische Staatsbürger anzuerkennen seien. Allein es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß dieser Ausspruch des Kassationshoses von Seiten der Lenker des rumänischen Staates Beachtung finde. Man kann und muß dem intelligenten und tatkräftigen Teile der rumänischen Judenheit nur den Rat geben: fort, auswandern! An Judenseindschaft und an gesetzloser Willkür den Juden gegenüber können wir mit Rumänien Marokko vergleichen. Seitdem in diesem unglücklichen Lande der Bürgerkrieg zwischen dem Sultan und dessen verschiedenen Nebenbuhlern wütet, ist es für die von allen gleich mißhandelten Israeliten zu einer wahren Hölle geworden. Die Verödung der Aecker und die allgemeine finanzielle Krise bedroht sie mit dem Hungertode. Die Aufständischen mißhandelten, plünderten und mordeten unter den fünfzehnhundert Juden in Stat bei Casablanca; nur die schnelle Unterstützung durch die Glaubensgenossen in Europa bewahrte die Unglücklichen vor gänzlichem Untergänge. Die Truppen des Sultans dagegen ahmten in Tazza das Verfahren ihrer Gegner wider die Juden nach; und der Pöbel griff das Judenquartier in der Stadt Marokko selbst an. Eine Besserung wird erst wohl eintreten, wenn Frankreich und Spanien das barbarische und zerrüttete Land besetzt haben werden. Den geknechteten und verfolgten Juden aller dieser Staaten ist ja die Sehnsucht nach einer wahren Heimat, nach einem wahren Vaterlande, nach einem ihnen selbst gehörigen, nach einem jüdischen Staate durchaus natürlich. Aus den Ländern des Ostens zieht der Zionismus seine Kraft, wenn auch seine geistigen Führer dem westlichen und mittleren Europa angehören. Der hervorragendste, der edelste und