Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5664
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Untertanen. Sie mußte, um die ungeheuren Kriegskosten bestreiten zu können, wiederholt Anforderungen an die westeuropäische Finanzwelt stellen, und diese bestand nun einmal zum großen Teile aus Juden, die, trotz aller Lauheit ihrem Glauben und ihren Glaubensgenossen gegenüber, doch ihr Herz dem Mitleid und dem Zorn über deren schwere Bedrängnisse nicht ganz zu verschließen vermochten. Endli - zeigten die russischen Juden einen Patriotismus, der um so rührender, um so edler, um so ethisch höher zu bewerten ist, je stiefmütterlicher das Vaterland sich chnen gegenüber zeigte, je schändlicher Lüge und Bosheit auch die Niederlagen der Russen durch jüdische Machenschaften zu erklären und zu beschönigen suchten. Zwölftausend jüdische Soldaten, etwa der zehnte Teil des ganzen damaligen Feldheers, kämpften schon im Beginne des Krieges auf den Schneegefilden der Mandschurei gegen Japan, höchlichst belobt von der eigenen Obrigkeit; und seitdem sind unter den mehrfacher? Truppennachschüben weitere Tausende jüdischer Streiter gewesen. Auch die Spenden an Geld, Verbandstücken, Liebesgaben hat die jüdische Mildtätigkeit in Menge für die Armee geliefert; in dem blutarmen Podolien allein wurden von ihr während der drei ersten Kriegsmonate lediglich an Bargeld 63 000 Rubel aufgebracht. Im großen haben die jüdischen Kapitalisten Rußlands auch finanziell die Regierung nach Kräften unterstützt, sodaß sie widerwillig deren Haltung lobend anerkennen mußte. So zeigte Plehwe einige Milderung seines grausamen Hasses; Maßregeln zur Aufbesserung der Lage der Israeliten wurden in Aussicht gestellt. Eine Anzahl Dörfer, in denen, selbst innerhalb des Ansiedelungsrayons, den Juden der Aufenthalt verboten ist, wurde mit dem Namen „Flecken" geziert, damit es dort den Juden erlaubt sei sich niederzulassen. Weiter kam Plehwe nicht — da traf ihn ' die Hand des Mörders, nicht eines jüdischen, sondern eines christlich orthodoxen. Jeder Mord ist ein Frevel; allein das Verschwinden Plehwes wurde von allem, was nicht fanatisch ist, in der ganzen Welt als eine gerechte Strafe und als eine Erlösung betrachtet. Unter Wittes Vorsitz wurde nunmehr ein „Gnadenmanifest" für die Juden bei Gelegenheit b& Geburt des Thronfolgers ausgearbeitet. Es fiel kläglichst