Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5664
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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werden die Einwanderer, mit Ausnahme der Schwerkranken und der offenkundigen Bettler, ohne jede Schwierigkeit auf dem Gebiete der Union ausgenommen. Im Gegenteil, das Abgeordnetenhaus in Washington hat wiederholt seine Sympathie für die verfolgten Israeliten in Rußland kräftig geäußert, ohne einen einzigen Widerspruch; und die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich unausgesetzt, ihren Bürgern jüdischen Bekenntnisses dieselbe Bewegungsfreiheit, wie den christlichen, in dem Zarenreiche zu verschaffen. Auch im eigenen Innern hat das nordamerikanische Volk das Vorurteil beseitigt. In dem Abgeordnetenhause der Union sitzen vier Israeliten, und im Senat ist der Staat Maryland durch einen ausgezeichneten jüdischen Rechtsanwalt vertreten. Nicht minder erfreulich ist die geistige Bewegung unter den amerikanischen Israeliten. 81 Tages-, Wochen- und Monatsblätter, 13 Jahrbücher verfechten ihre Interessen und dienen ihrer Aufklärung und Unterhaltung. Ihre theologischen Lehranstalten sind mit finanziellen Mitteln ausgestattet, die uns in Deutschland geradezu fabelhaft erscheinen. Die große „Jüdische Encyklopädie" erscheint und gibt der ganzen jüdischen Welt ein Beispiel, was Beharrlichkeit, reiches Wissen, rühriges Zusammenarbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft zu leisten vermögen. Andere große wissenschaftliche Unternehmungen sind in der Vorbereitung und versprechen günstigen Erfolg. Ueberall finden wir hier reges Schaffen und fröhliches Vorwärtsstreben, in dem beglückenden Bewußtsein, einer großen vordringenden Gemeinschaft anzugehören. Ein Teil des jüdischen Auswandererstromes richtet sich in immer verstärktem Maße nach dem britischen Nordamerika, nach Kanada. Teils werden dort die Juden von der Jewish Colonization Association als Ackerbauer angesiedelt, teils — und das sind bei weitem die zahlreichsten — kommen sie auf eigene Faust ins Land, wo sie sich als Handwerker, als Händler beschäftigen oder von ihren schon angesessenen Glaubensgenossen als Arbeiter in den Fabriken untergebracht werden. Die Gemeinde von Montreal allein nimmt jährlich um mehr als Lausend Seelen zu. Wir stehen nicht an, diese außerordentliche Entwicklung des nordamerikanischen Judentums, wie sie sich seit den letzten