Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5664
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 und dem Mute der Gesinnung der deutschen Israeliten und wird sicher dazu dienen, ihre völlige Gleichstellung mit ihren christlichen Mitbürgern zu beschleunigen, die Achtung vor der jüdischen Gemeinschaft innerhalb wie außerhalb derselben zu stärken und dem Gefüge unserer Religions- und Stammesgemeinschaft diejenige Festigkeit zurückzugeben, die sich leider seit einigen Jahrzehnten allzusehr gelockert hatte. Solche allgemeine Wirkung möchte die wichtigste Folge der Gründung des Verbandes sein. Aber auch Einzelergebnisse müssen durch umsichtiges und tatkräftiges Wirken erlangt werden und werden schon tatsächlich angestrebt. Wir zweifeln nicht, daß die ehrlichen Zweifler an der Möglichkeit und Nützlichkeit des Verbandes, sei es daß sie von pessimistischem, partikularistischem oder orthodoxem Standpunkte ausgehen, durch dessen Arbeit von ihrer Skepsis allmählich bekehrt werden. Schon sind ja in seiner Leitung Juden aller deutschen Länder und aller religiösen Parteien zu einhelligem Tun vereinigt. Wie wenig der Verband aber einseitige „Reform"-Bestrebungen verfolg:, wird durch den Umstand bewiesen, daß seine erste Beschäftigung in umfassenden und noch nicht abgeschlossenen Bemühungen zum Schutze der Schächtfreiheit in den kommunalen Schlachthäusern bestand. Aber nicht der Verband allein zeugt von der regen Schaffenskraft innerhalb des deutschen Judentums. Gemeindebund, Zentralverein, Literaturvereine, Bne-Brith-Logen, Hilfsverein, Rabbiner- und Lehrerverbünde setzen ihre eifrige und segensreiche Tätigkeit fort, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums baut die Grundlagen für ihre umfassende Wirksamkeit aus und ruft mit dem „Grundriß für die Gesamtwissenschaft des Judentums" das monumentalste literarische Werk ins Leben, das unsere Glaubensgenossenschaft seit Jahrhunderten gekannt hat. Daneben ist der „Verein für Statistik der Juden" entstanden, der zugleich der Wissenschaft und dem Leben zu dienen hat, ist die Schaffung eines „Gesamtarchivs der deutschen Juden" gesichert, dessen Arbeiten wichtige geschichtliche, kulturgeschichtliche und rechtsgeschichtliche Ergebnisse liefern werden, und das zugleich einer konsequenten und gleichmäßigen Verwaltung der jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes dienen soll.