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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 208

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 208 (sequence 50)
Language
German
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208 holung und Zerstreuung, in der ich alle Beschwerden der jüdischen Geschichte und Religionsphilosophie von mir abspüle. Abraham Jbn Daüd ist es allein, der mich allein bis in meinen Landaufenthalt verfolgt. Auch obliege ich jetzt mit mehr Eifer der Erlernung des Ungarischen, wozu mir das Schuljahr keine Zeit übrig läßt. Der Unterricht eines jüngeren Bruders^) hält mich bei Griechen und Römern warm. Habe ich Ihnen schon bemerkt, daß ich in Grillparzer, den ich fleißig pflege, eine Verwandtschaft mit Ihrer Denkweise und Empfindung erkannt habe? Von Leiden habe ich nur scherzweise zu berichten. Ich habe Ihnen meinen Aufsatz über Deronda eingeschickt. Dieser ist in's Englische übersetzt worden^). Seitdem verfolgt mich die jüdische Presse mit wahrer Wuth. Der.Oberbonze von B. befand nämlich, daß ich durch meine Behauptungen, die er nicht gelesen, dem Judenthum gefährlich sei. Ich soll nämlich irgendwo erklären, daß alle Juden nach Palästina wollen. In der ungarischen frommen Presse, welche wie kleine Köter den großen nur nachbellen, ist daraus die Mähre geworden, ich hätte in einem besonderen Buche für den Ankauf Palästinas plädirt, weshalb ich noch ärger als Jstoczy sei. Ein Tollhäusler hat mich sogar öffentlich zu einem Widerruf aufgefordert. ... Sie verlangen von mir 1 2 3חחשי תורה). Das kann Ihr Ernst nicht sein. Ich werde den Spieß umkehren und solche von Ihnen erbitten. Ist vielleicht bei Ihnen die Quelle des Satzes verzeichnet: 4סתם מקשן עם הארץ)? In dem Trostschreiben Samuel Hanaglds an Chananel beim Tode Chuschiels, das ich eben bearbeitet habe^), finden sich die Worte: כל שבן בצדיקיא מאודה טרי עליהון גנואן די רמשא ואתרבי להון בבא ועד מעלי לא איפרך אבא וכדאמרינן התש עד שלא כבסה שמשו של עלי (Kidd. 72b). Was dies für Decken des Abends sein sollen, ist mir unbekannt, ebenso die Erweiterung der Pforte. Ich bitte Sie um die Erklärung dieser etwaigen Anspielungen. Auch ersuche ich Sie, die Stellen aus Dichtern bei A. i. D. gefälligst im Auge behalten zu wollen, da sie für meine Arbeit von Wichtigkeit sind und unter Ihren Aufzeichnungen sich Ihnen vielleicht noch vorfinden werden. Unser Jahresbericht dürfte 1) Vgl. Rosenthals Biogr. S. XXHL 2) Brann a. a. O. Nr. 68, 69, 70. 3) Vgl. S. 207, Anm, 4. 4) Auch ich habe nirgeods etwas Sicheres über die Quelle des Ausspruches ermitteln können. 5) Brann a. a. O. Nr. 84.

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