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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 204

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 204 (sequence 46)
Language
German
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204 50. Kaufmann an Zunz. Budapests 1. August 1878. Ich habe in dieser Woche wieder einmal Gelegenheit gehabt, die Wahrnehmung zu machen, um wie viel schwächer der Judenhaß hier zu Lande ist als in Preußen. Bei den Prüfungen, die wir an der Landes-Rabbinerschule am 29. Juli begannen, war zu Beginne der Cultusminister mit Zwei Rathen anwesend^). Das wird so leicht in keinem anderen Lande, jedoch am allerwenigsten in Preußen, Vorkommen. Jstoczy dürfte bei der jetzigen Wahl infolge seiner Tollheiten durchfallen. Ludwig Kossuth nimmt sich in einem warmen Briefe aus seinem Exil in Barracode eines Juden an, der als Candidat für das Abgeordnetenhaus von seinem Judenthume zu leiden befürchten mußte. Die socialdemokratische Großmacht in Berlin beweist es jedoch am besten, wie verkehrt all das deutsche reactionäre Gethue. Ehe die ״Deutschen mit den Juden anbinden, hätten sie in ihrer eigenen Mitte noch ganz andere Elemente zu säubern, die unter ihnen gähren. Das Gekrächze der Finsterlinge macht sich übrigens in Deutschland jetzt im Allgemeinen breit. Heute sind unsre Prüfungen beendigt worden. Der Erfolg war im Großen und Ganzen ein zufriedenstellender, meine Leistungen im Griechischen und im Deutschen erregten sogar ein freudiges Staunen, da Niemand den lange verwahrlosten jungen Leuten solch correcte Sprechweise und so genaues Wissen zutrauen mochte. Mit jüdischen Schülern läßt sich eben mit Leichtigkeit binnen Jahresfrist viel erzielen. Ich werde Sonntag, den 4. d. M., von hier abreisen, um Tags darauf bei meinen theuren Eltern in Kojetein (Mähren) einzutreffen, wo Sie mich bald mit Ihren Mittheilungen erfreuen mögen. In diesen Tagen bin ich in eine Arbeit hineingerathen, in der ich mit Buber zusammentraf. In neuester Zeit hat Jellinek im Bet Ha-Midrasch VI — und die Widmung an Ewald hat Ihnen gefallen? — eine so verwirrende Beschreibung des Bereschith rabbathi gegeben, daß Buber mit Recht dagegen Einspruch erhob. Was Sie vor nahezu 50 Jahren erledigt habend), fristet heute den Nachfahren das Leben. Sie haben aber offenbar jene H. S. Rapoport's nicht geliehen erhalten, weshalb es jetzt Andre leicht haben die Autorschaft des Darschan zu bestreiten. Durch eine neue 1) Jsr. Wochenschrift a. a. O. S. 259. 2) G. V.2 S. 302 f.

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