Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 200 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111076-3113305--1401-3113520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

200 meutern größten Erstaunen Carl Blind auf Ihre Bemerkungen antwortet. Er geht katzenähnlich um den eigentlichen Vorwurf herum und verschweigt ״die Lobschrift", mit der er sich für immer lächerlich gemacht hat. Uebrigens wird es Sie interessirt haben zu erfahren, daß Ihre Schriften denn doch nicht so unbekannt find, wie Sie anzunehmen pflegen. Ich kann nicht glauben, daß Blind sich rasch nachträglich über Ihre Thätigkeit unterrichtet haben sollte, auch sieht man dem gedrückten Style, in dem das Ganze gehalten ist, deutlich an, daß der Mann auf einen Angriff von einer so bedeutenden Kraft nicht gefaßt war Zeigt er doch sogar über Ihr spärliches Lob innige Freude. Ich sende Ihnen heute eine Lloydnummer, die Sie vielleicht einen Augenblick belustigen wird. Herr Jstoczy hat sicher keine Ihrer Arbeiten, um so mehr aber alle Judenfresser, gelesen. Von der ultima ratio versteht zum Glück der Pöbel nichts, alles Uebrige wird aber keinen Augenblick eine Seele aufzuhetzen vermögen. Der gelehrte oder der schöngeistige Judenhaß ist im Großen und Ganzen harmloser, als man nach allem Geschrei annehmen sollte. Eine einzige Procession in Kalischi) kostet, wie wir soeben erlebt haben, mehr Blut als alle Giftausbrüche der vereinigten judenfeindlichen Federfuchser. Ueberhaupt sind diejenigen, die den Muth haben, sich öffentlich lächerlich zu machen, die weniger gefährlichen. Die Presse, scheint mir, thut unrecht, solchen Kerlen zu ihrem billigen herostratischen Ruhme zu verhelfen; Schweigen ist die beste Antwort. Die Nummer des L. B., die ich Ihnen sandte, erinnert mich daran, daß ich Ihnen vor einiger Zeit 3 Nummern zugeschickt habe, die eine Anzeige einiger hiesiger Hss., enthielten^). Ich hätte gern über manche meiner Vermuthungen Ihre Ansicht gehört. Doch verzichte ich mit Freuden auf Alles, was Ihnen die geringste Beschwerde verursachen könnte. Hätte ich das Glück, in Ihrer Nähe zu leben. Sie würden es sicher nicht verweigern, mündlich über manche Fragen Ihre Gedanken zu äußern; zum Niederschreiben entschließen Sie sich ja natürlich ungleich schwerer. Ich erkläre mir auch daraus, daß Sie meine Frage in Betreff der Bearbeitung von Raschi's Leben unbeantwortet lassen. Nur Ihre Briefe kann ich nicht miffen. Es gewährt mir eine unausgesetzte Freude, wenn ich, über Ihren Büchern gebückt, wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, durch ein warmes Lebenszeichen des Verfassers zu freudigster Erregung unterbrochen werde. Nur möge mir noch das Glück zu Theil werden, eine ruhigere Stimmung darin anzutreffen. 1) Jsr. Wochenschrift vom 3./10. Juli, Nr. 27/8 vom Zhrg. 1878. 2) Brann a. a. O. Nr. 85.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.