Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Herzberg reist noch diese Woche nach Jaffa; wieder einer weniger, der mich Einsiedler besucht. Was sonst mich angeht, so ist nichts Interessantes zu melden; der Geist ist müde, die Seele betrübt, der Körper schleicht dahin. Eines schönen Tages wird Messias kommen □1מלא עיני)• Für Europa ist es ein Glück, daß seine beiden größten Feinde Pabst und Zar sich selber gegenseitig hassen; vielleicht geht mit beiden überhaupt die Tyrannei — 2ממשלח זדון) zu Grunde. Nun sollte eigentlich eine Meldung von Neuigkeiten und Vorfällen folgen; aber ich bin in Berlin nicht allein ein Einsiedler, sondern ein Fremdling, man kennt mich so wenig, als ich die Welt, also ist es Zeit, den Brief zu schließen. Bedenken Sie, sobald die Geschäfte es erlauben, mit einem weniger mageren Schreiben den Ihnen achtungsvoll ergebenen Berlin, 15. October 1877. Zunz. 33. Wenn ich ungeachtet Ihrer freundlichen Briefe Ihnen nur einmal in achtzig Tagen schreibe, so schieben Sie die Schuld auf meine Menschenliebe, der es unrecht scheint, einen jungen thärigen Professor mit nichtssagenden, unerfreulichen Briefen zu belästigen, zumal einem solchen, der es für eine Schuldigkeit hält, solche gleich zu beantworten. Sie verlieren an meinem Stillschweigen weder gelehrte Bemerkungen, noch philosophische Kunstarbeit. Ein Tag sieht bei mir aus wie der andere, zunehmende körperliche Nebel abgerechnet, und ich könnte, unbeschadet der historischen oder astronomischen Wahrheit, mein heutiges Schreiben den vorigen October datiren. Da Sie mit dem Kaiser gesprochen, werden die Dunkelmänner mehr Respect, wenigstens mehr Furcht vor Ihnen und Ihrer Partei bekommen. Das Buch 3קסת יהונתן), gedruckt A. 1697, habe ich nie gesehen. Ihre Anzeige meiner Schriften habe ich erhalten; allein wissenschaftliche Anfragen, z. B. über Aaron Sergado, kann ich jetzt nicht beantworten. Wären Sie hier, würde eine halbstündige Unterredung Sie davon überzeugen. Von den Betrügereien des verstorbenen karäischen Fuchses war ich seit 1) Der Erlöser, der ״voll von Augen" ist, ist der Todesengel, vgl. Abodah sara 206. 2) Die Herrschaft des Trotzes. 3) Vgl. Steinschneider C. B. 5868.