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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 168

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 168 (sequence 10)
Language
German
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168 Ansprüchen. Für Juden und Judenthurn habe ich mein ganzes Leben gekämpft: hiermit haben die vergänglichen Meinungen gar nichts zu schaffen, so wenig als mit der Existenz einer Nation die wechselnden Ansichten im Glauben und im Staate. Selbstsucht und Eigennutz, schreiben Sie, habe Frankel^) umgeben; das kann doch nur auf Lehrer der dortigen Anstalt Bezug haben, falls sie nicht die Verwaltung damit bezeichnen. Mein Umzug im Oktober findet nicht statt, ich bleibe in meiner jetzigen Wohnung. Vielleicht mache ich nächsten Monat einen kleinen Ausflug, und werden Sie zur Zeit das Nähere erfahren. Ich habe aus Ihrem Briefe nicht ersehen können, ob Sie schon in dem ersten Bande meiner gesammelten Schriften gelesen; Ihr Urtheil über mein Bibelkritisch eZ2) — das von Druckfehlern strotzt — wollen Sie mir nicht vorenthalten. Jeweniger ich auf ״Jugendlust und Lebensfreude" angewiesen bin, desto mehr sehne ich mich nach freundschaftlichen Briefen; mit einem solchen, hoffe ich, erfreuen Sie bald den Ihnen achtungsvoll ergebenen Berlin, 5. Mai 1875. Zunz. 10. Sehr geehrter Herr Dr.! Ich schreibe Ihnen an dem Tage, an welchem ich vor 56 Jahren, d. i. 20 510 Tagend, meine Adelheid ע״ח zum ersten Male gesehen und ihre Eltern besucht habe, für mich ein geheiligter Jahrestag an dem Sie nur Wahrheit von mir erwarten dürfen: unter Wahrheit verstehe ich Ueberzeugung, und solcher war mein ganzes Leben gewidmet. Ob man mit mir übereinstimmt, ob solche Wahrheit in die geltenden Vorstellungen vernichtend eingreift, ist eine mit der Sache selber nichts gemeinhabende Nebenfrage. In der Untersuchung kommt es weniger auf jede einzelne Behauptung als auf die Begründung des Ganzen an, und was Letzteres anbelangt, so sehe ich dem Widerspruche gegen meine unwiderleglichen kritischen Ergebnisse ruhig entgegen, unbekümmert um Schwätzer und Heuchler. Ich habe keine Religion, sondern nur die Menschenrechte ihrer Bekenner zu vertreten und betrachte die Glaubensform nur als Wirkung von Thaten und Leiden, .womit die Existenz und x) Ich weiß nicht, was Kaufmann hier gemeint haben mag. Jedenfalls ist Zunzens Vermuthung ganz.unbegründet. 2) Ges. Schriften I, S. 217—270, zuerst in Z. D. M. G. sZeitschr. der deutschen, morgen!. Gesellschaft) Bd. 27, S. 669 ff. 3) Um 27. Mai 1375 waren 20510 Tage seit dem 2. April 1819, dem 17. Geburtstag Adelheids, vergangen.

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