Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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160 neunten Jahrzehnt des Lebens die Lebhaftigkeit des Briefwechsels mit Freunden und Verehrern allmählich abgenommen hätte. Für den „Moltke der jüdischen Wissenschaft" kam aber noch ein besonderes Moment hinzu. Als er soeben das achtzigste Lebensjahr vollendet hatte, brach überdenkinderlosen Mann ein Verhängniß herein, wie ihn kein schwereres treffen konnte. Am 18. August 1874 ging seine Frau zum ewigen Leben ein. Er hat einst selbst bei ihren Lebzeiten, zehn Jahre früher, in dem Rundschreiben, das für die Feier seines siebzigsten Geburtstages dankt, von ihr gerühmt, daß sie „42 Jahre lang in Freud" und Leid seine Stütze und Helferin" gewesen, und daß er „ihrer Einsicht, ihrem Edelsinn und ihrer Genügsamkeit mit verschuldet sei, wenn er die bisherigen Lebensjahre der Wissenschaft zu weihen im Stande gewesen"*). Seit ihrem Tode war seine Schaffenslust und Lebensfreude dahin. „Der Schlag, der mich getroffen," klagt er Kaufmann, „hat mir in einer einzigen Seele alle Lebensgüter, jede Freude, jede Hoffnung genommen"^. Und ein ander Mal: „Mein Stern ist untergegangen"^), und „Alles, was an sie erinnert, füllt mein Gemüth mit Trauer, mit Thränen meine Augen"^). Obwohl bei alledem alle Geistesfunktionen des Greises, selbst in seinem 92. Lebensjahr noch völlig normal warens), nahm dennoch die Neigung zu schriftlichem Gedankenaustausch allmählich ab, und Kaufmann war bald nahezu der Einzige, dem hin und wieder noch ein Briefchen gegönnt wurde. Wer David Kaufmann, den Unvergeßlichen, in seinem Jünglingsalter gekannt und mit ihm nicht nur für „Rom und Vgl. Adelheid Zunz. Ein Angedenken für Freunde. Als Manuscript gedruckt (Berlin 1874) von F. Lt. ^Vergl. S. 164, Anm. 2], S. (4) f. Im G anzen war Zunz 52 Jahre verheirathet. 2) Unten Nr. 6, S. 165. 3) Nr. 17, S. 175. 4) Nr. 7, S. 165. 5) „Es geht dem Onkel sehr gut," schreibt Zunzens Nichte am 31. Decbr. 1884 an Kaufmann, „fein Befinden ist ausgezeichnet, nur zuweilen, aber nicht, stets, erscheint sein .Gedächtniß etwas schwächer als früher, obwohl die Schärfe noch oft überraschend ist." Und am 15. März 1885, also fast genau ein Jahr vor seinem Tode: „Seine Tagesordnung ist genau wie früher, nur beschäftigt er sich einmal mehr, das andere Mal weniger mit den Büchern."