Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Vortrag von K-MWMa« Schächter. i. ^er hochgelahrte Professor der Anatomie an der Pester Universität, Csauß, war sehr betroffen, als chn gegen Ende der fünfziger Jahre ein alter Jude besuchte und ihn um Gnade für seinen Sohn bat, den der gestrenge Professor bei dem Examen aus der Anatomie durchfallen ließ. „Ich weiß es, daß Gott meinen Sohn mit sehr geringer Begabung ausgestattet hat," — so bat der unglückliche Vater — „was soll ich aber mit ihm anfangen?" „Haben Sie denn keinen anderen Sohn" frug etwas milder gestimmt der Professor. „Bitte unterthänigst, ich habe noch einen." „Hat Gott auch diesem so geringe Begabung verliehen?" „Bewahre" — sprach der Vater mit stolzem Selbstbewußtsein, „der ist sehr begabt, darum habe ich ihn auch für den kaufmännischen Beruf bestimmt,' dieses armen Jungen Zukunft hingegen gedachte ich durch die Arzneikunst zu sichern." Es ist nicht zu verwundern, daß der alte Professor den Kopf schüttelte, konnte ja ich selbst diese ganze Geschichte, als sie mir vor nun 20 Jahren von einem meiner Lehrer mitgetheilt wurde, nur für eine fein zugespitzte, tendenziöse Anekdote halten, und auch von Ihnen dürste sie weit eher als solche, denn als eine die jüdische Denkart charakterisirende Auffassung betrachtet werden. Es ist wahr, daß ich, seitdem ich die Geschichte zum ersten Male