Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Schriftstellern der Gegenwart von B. Eisenstadt und ein Buch über Salomon Munk von Morse Schwab. Die Kunst der Biographik ist leider bei uns noch nicht stark entwickelt. Auch die Memoiren-Literatur ist nur sehr schwach vertreten und doch wäre es zu wünschen, daß wir inehr biographische und zeitgeschichtliche Darstellungen erhielten, die der Literatur immer den Impuls geben, die Zeitgeschichte nicht als das von dem persönlichen Lebensinhalt Fremde und diese von jenem verschieden zu gestalten, sondern beide selbst aufs Innigste zu verbinden. Wir haben eine ganze Reihe hervorragender Charaktere im Leben wie in der Wissenschaft, die, wo sie mit Feinheit und Treue geschildert werden, unserer Jugend ein schönes Beispiel von Charakterstärke, Glaubenstreue und geistiger Bedeutung geben würden. Die neueren hebräischen Schriftsteller verstehen das merkwürdigerweise viel besser; sie haben sich an den feinsten englischen, französischen und deutschen Mustern gebildet. Mit Klugheit, Umsicht und Liebe schildern sie ihre Charaktere oft bis in die geheimsten Geisteslinien und Herzensfalten. Ihre Auffassung ist meist eine weltbürgerliche und große, von Humanität erfüllt und aus warmer Begeisterung für den Helden hervorgegangen. Die Lebenserinnerungen, die der berühmte Botaniker Ferdinand Cohn aufzuschreiben leider nur angefangen hat, geben ein sehr hübsches und anschauliches Bild von dem jüdischen Leben in Schlesien in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Nicht weniger interessant sind die Reminiseenzen von Isaak M. Wise, dem verdienstvollen Reorganisator des religiösen Lebens der Juden in Amerika, die derselbe zuerst in deutscher Sprache für seine Deborah geschrieben und die jetzt David Philip so n ins Englische übertragen hat. * Zu den verschiedenen Disciplinen übergehend, die ich in diesen Berichten gemeinhin unter der Rubrik „Literaturgeschichte" zu bergen suche, muß ich diesmal vorweg den Begriff selbst richtigstellen. Literaturgeschichte heißt in diesem Zusammenhänge etwa so viel wie Geschichte der einzelnen Wissenschaften. Man mag darüber streiten, ob dies angeht, aber man wird bei richtiger Erwägung doch wohl zu der