Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Toten
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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240 seines Lehrers eintrug. Einige Monate später hatte dieser ihm die Hatorah gegeben und gleichzeitig hatte er noch den Triumph, Moses Freund die Jeschiwe verlassen zu sehen. Rabbi Elieser hatte ihn, als zum erweiterten Studium nicht besähigt, in die Heimat zurückgeschickt. Aus diesem sabbatlichen Bachurimstreit war aber noch etwas anderes hervorgegangen: Die Verlobung von Salomon Herzberg und Rebekka Gins. Das junge Mädchen durfte sich an den Vergnügungen ihrer Altersgenossinnen nicht betheiligen. Es hätte sich das mit dem Geiste ihres Elternhauses schlecht vertragen und die „Sechije" die Tochter Rabbi Elieser zu sein, konnte schon erkauft werden durch den Verzicht auf Jugendfteuden, die andere Mädchen sich gestatten durften. Ohne irgendwie stolz zu sein, war ihr wie ihren älteren Geschwistern das Gefühl, daß ihr Vater eine Sonderstellung einnehme, in Fleisch und Blut übergegangen. Niemand sprach jemals mit ihnen davon und doch lag in ihrem Wesen eine unbewußte Würde und Vornehmheit, die sie anders geartet erscheinen ließ, wie andere junge Menschen ihres Alters. Bei Rebekka, der jüngsten, war dieser Ahnenstolz besonders stark ausgeprägt. Auf sie war schon Alles überkommen, was im Laufe der Jahre sich angesammelt hatte, um ihrem Vaterhaus eine fast königliche Würde zu verleihen. Von Verwandten, von Freunden und Geschwistern hatte sie nie etwas anderes gehört, als die Größe und Bedeutung ihres Vaters preisen . . . Die Mutter sah sie in hingebendster Demuth neben ihm stehen, das Patriarchalische wuchs in ihren Vorstellungen bis zu den Höhen, aus denen Fürsten thronen-und daß es außer ihrer Welt noch etwas anderes gab, wußte sie damals gar nicht. Aber sie empfand es nicht traurig, daß sie durch diese Jsolirung einsam war. Das schien ihr ein Los, das in ihrer Geburt begründet war — ein Fürstenkind hat selten Gefährten. Man kann nicht die Tochter von Elieser Gins sein und leben, wie alle anderen kleinen Leute, die Kinder der „Amrazim" und gewöhnlichen „Balbatim." — Unbewußt folgte sie dem Gesetze: Noblesse oblige und sie fühlte sich nicht einsam und hatte eine innige, stolze Freude über ihr Elternhaus. Das gab ihr die Änmuth und den Frohsinn,