Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die neue hebräische Litteratur
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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195 ״Daniel in der Löwengrube" von dem Erstgenannten ist ein vorzügliches Epos. Ein begabter national-jüdischer Dichter ist auch K. Schapiro in St. Petersburgs von dem soeben ein satirisches Epos ״Sodom" — eine prächtige Satire auf die Gerichtsverhandlung in Rennes — erschienen ist. Reges Leben herrscht aus jedem Gebiet der hebräischen Litteratur. Dr. Katzenellensohn in Petersburg, ein gediegener medizinischer Schriftsteller, hat eine Monographie über die Leprakrankheit veröffentlicht, die später in deuffcher Uebersetzung in Virchow's Archiv abgedruckt wurde; neulich hat er gemeinschaftlich mit Frischmann Puschkins Gedichte in hebräischer Uebersetzung herausgegeben. Blos der Vollständigkeit wegen will ich noch meine Monographie über die ״Kulturzustande der deutschen Juden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts" erwähnen, ferner eine solche über ״das Zeitalter des Aufbaues der jüdischen Wissenschaft", ״das Leben Mohammeds", insbesondere mit Berücksichtigung seiner Be- Ziehungen zu dem Judenthum und eine ״Geschichte der Kreuzzüge" von demselben Standpunkt. Als Publizisten und Belletristiker der Gegenwart verdienen noch Erwähnung: R. Brainin, Lewinski (einausgezeichneter Humorist), M. Berdiczewski,D. Neumark, H. Malter, Gure- Witz, S. Rosenfeld, E. Atlas, Hillel Cohn, JosefKlausner, David Cohn (wissenschaftlicher Publizist); als pädagogischer Schriftsteller der leider jung verstorbene Davidowitsch. Wenn man diese rege Thätigkeit der zahlreichen Schaar hebräischer Schriftsteller übersieht, so ist man geneigt mit den Worten Grätzens zu schließen: Wer die Verjüngungsfähigkeit einer alten, sögenannten ausgestorbenen Sprache durch dichterische Zaubermittel Zeigt, hat damit, ohne es zu beabsichtigen, die Lebensfähigkeit des Volksstammes bewiesen, in dessen Mitte solche Kunstgebilde entstehen und von Vielen verstanden und bewundert werden können." 13*