Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Die Episode des jüdischen Hellenismus in der nachexilischen Entwickelung des Judenthums
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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44 mehr aus. Sie wohnten auch in anderen Quartieren inmitten der griechischen Kolonisten-Bevölkerung. Der letztere Umstand konnte nicht ohne Folgen bleiben. In religiöser Beziehung fühlte man sich zwar erhaben über die gesammte Heidenwelt, aber an Weltbildung hatte man dem Griechenthum nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Zunächst verdrängte die Sprache, die man täglich hörte, den aramäischen Dialekt, den man bei der Auswanderung in die Diaspora mitgebracht hatte. Das Hebräische der heiligen Schrift war schon lange zu einer Sprache der Gelehrten geworden. Dem Volke war sie eine Hieroglyphe. Das Wort- und formenfrohe Griechisch mit dem Reichtum seiner Bildungen tauschte man gern gegen die dürftigen semitischen Dialekte ein, die man redete. Freilich mußte die κοινή διάλεκτος in dem Munde dieser hellenischen Juden sich manche semitische Zusätze gefallen lassen, die namentlich das Synagogengriechisch ftir ein hellenisches Ohr ungenießbar gemacht haben mögen. Gebildete Juden sprachen und schrieben nicht in diesem hellenistischen Dialekte des Volkes, sondern bildeten sich wie Philo von Alexandria an den classischen Schriftstellern der Hellenen. Das Studium der griechischen Litteratur ward aber auch durch die reichen geistigen Stoffe, die es diesen hellenistischen Juden zuführte, für diese eine immer sprudelnde Quelle geistiger Genüsse und Belehrungen. Sie lebten sich in Sprache und Litteratur der Griechen so vollständig ein, daß sie das Griechische ή ήμετέρα διάλεκτος im Gegensatz zur Sprache der palästinis^yen Juden nannten (Philo de congr. 8. Μ. I, 525), sich mit ήα,εις (wir griechischen Juden) den Εβραίοι (den Palästinern) entgegenstellten (Ph. de· confus lingu 26 I, 424). Die gebildeten griechischen Juden in Alexandria und in andern hellenistischen Städten am Mittelmeer schwärmten auch für die griechische Litteratur. Die griechischen Philosophen und Dichter wurden ihre Welt, in der sie sich heimisch fühlten. Sie nannten den Heraklit den großen und vielbesungenen, sprachen von der allerheiligsten Schaar der Pythagoräer, von dem wahrhaft heiligen Verein, den Parmenides, Empedocles, Zeno und Cleanthes bilden (Philo quis rer. div. haeres 43 Μ. I 503, de provid. Μ. II, 42. 48) u. a. τπ. Sie versuchten sich auch in Nachbildungen der