Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
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26 aber ob es ihr auf die Dauer gelingen wird, ist freilich eine andere Frage. Erfreulich ist es auch, daß die Resultate jener assyriologischen Forschungen immer sicherer und zuverlässiger werden und aus dem Nebelreich der Hypothese auf den festen Boden der Wissenschaft gelangen. So kann man angesichts dieser sich alltäglich erneuernden Wunder wohl mit dem Dichter frohlockend ausrufen: „Fern im Osten wird es helle — alte Zeiten werden jung!" Ganz auf dem alten Standpunkt der „biblischen Wissenschaft" steht noch der geistvolle Begründerderselben Julius Wellhausen, von dem wieder ein sechstes Heft seiner „Skizzen und Arbeiten" erschienen ist. Dieses Heft enthält Studien über die Psalmen, über den „Menschensohn" und über die apokalyptische Litteratur. Auch C. H. Cornill steht auf diesem radikalen Standpunkt. Seine Geschichte des Volkes Israel von den ältesten Zeiten bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer, die zuerst in englischer, dann in deutscher Sprache erschien, ist glänzend und geistvoll geschrieben, wie alles, was von diesem Manne herrührt. Die deutsche Übertragung der Vorlesungen von T. K. Cheyne über das religiöse Leben der Juden nach dem Exil und die Vorlesungen von Karl Budde über die Religion des Volkes Israel bis zur Verbannung schließen sich diesem Standpunkt im wesentlichen an. Auch ihnen erscheinen noch immer erst die Propheten des achten Jahrhunderts als zuverlässige Zeugen für die Geschichte der Religion Israels; auch sie vermögen weder in der Inschrift von Tell-el-Amarna noch in dem Mernephtah- Stein zu Theben sichere Zeugnisse für den Aufenthalt der Israeliten in Aegypten zu erblicken. Budde betont noch immer die Vorstellung von der Dissonanz zwischen dem weltweiten und glühenden Universalismus des Jesaja und dem engen und eiskalten Partikularismus eines Hesekiel. Daß Bernhard Stade in seinen akademischen Reden und Abhandlungen sowie in seiner Rektoratsrede über die Entstehung des Volkes Israel im Großen und Ganzen auf demselben Standpunkt verharrt, kann uns nicht Wunder nehmen. Im Anschluß an diese grundlegenden führe ich noch das bedeutende Werk von R. Smend: Lehrbuch der israelitischen Religionsgeschichte, ferner den Vortrag von R. Kittel: Ueber Prophetie und Weissagung, die eindringenden religions-