Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Der Weise und die Närrin
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 271 (sequence 1)
- Language
- German
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,jsr und Isärrin. Einer talmudischen Legende nacherzühlt von Heinrich Bork-Steiner. ÄA^bbas ha din war alt und hinfällig geworden. Da <W? berief er die Freunde an fein Lager und sprach: „Schwerer Sorge voll scheide ich von hinnen, denn mir bangt für meine Kinder. Mein Sohn ist ernsten Sinnes und schweren Gemütes; er flieht die Freuden der Jugend und ihre Vergnügungen sind ihm verhaßt. Me erhellt ein Lächeln sein Gesicht, kein Freudenschimmer glättet die Falten seiner Stirne. Er grübelt über den Inhalt der alten Schriften und sucht im Leben des Tages geheime Gesetze. Darum fürchte ich, daß er die Gaben des Besitzes gering schätzen könnte und verwerfen, was ich mühselig gesammelt habe. Es sei daher beschlossen, ihm sein Erbe vorzuenthalten, bis er ein Narr geworden ist." Der älteste der Freunde nickte, die anderen aber schauten verwundert. Abbas ha din fuhr fort: „Meine Tochter Dinah hingegen ist ruhelos wie Espenlaub im Winde und wild, gleich einem jungen Füllen. Sie hüpft und singet von Morgen bis Abend ohne Sorgen, ohne Bedenken für die Stunden meiner Ruhe. Nie kreuzt sie die Arme wie's Brauch und Sitte, wenn der Vater sie ermahnet, sie' flattert vielmehr wie ein Entlein, das zum Fluge sich rüstet. Kein ernstes Wort erreicht ihr Ohr, denn sie verscheucht jede Mahnung durch Kichern und Lachen. Mir