Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Eduard Glaser
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 146 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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146 an die österreichische Regierung verwertet. Nicht nur in der Stadt Tunis 'war er tätig, sondern er kam auch in entlegene Orte, so auch in die „heilige" Stadt Kairuan, die er, wohl als einer der ersten Europäer, wenige Tage vor dem Einzuge der Franzosen besuchte. Manche Gewalttätigkeit der Franzosen mußte er mit ansehen. In einem kleinen Provinzorte machte ein französischer Offizier ihm einmal ganz unbefangen den Vorschlag, nachts einem Araber in dessen Behausung einen Besuch abzustatten. Zu welchem Zwecke — das läßt sich leicht denken: Der Franzose hatte in Erfahrung gebracht, daß der Araber zwei junge Töchter besaß. Bedenken? Bah — man war ja bewaffnet; dieser dumme Araber konnte doch Wohl keinen Widerstand wagen. Kam es aber doch zu bedenklichen Auftritten oder gar zum Blutvergießen, so war eine Rechtfertigung hinterher wahrlich nicht schwer. Man erklärte ganz einfach, man sei von den jungen Frauenzimmern eingeladen, ins Haus gelockt worden. Oder noch besser: der fanatische Araber habe die verhaßten Ungläubigen durch seine Töchter ins Haus locken lassen, um sie ermorden zu können. (Wie oft mögen solche Prozesse in den Kolonien mit der „glänzenden" Freisprechung der Europäer und der „Bestrafung" der Eingeborenen enden!) Also ein ganz nettes und gar nicht besonders gefährliches Abenteuer. . . . Und diesen „wilden" Arabern gegenüber galten doch nicht die theoretischen moralischen Gesetze der Heimat. ... Glaser war jung und er hatte warmes Blut, aber er war zugleich ein Ehrenmann und so bedarf es kaum der Erwähnung, daß er diesen Vorschlag mit Entrüstung ablehnte. Im nächsten Jahre verließ Glaser Tunis, um nun nach Arabien zu reisen. Zunächst hielt er sich jedoch in Aegypten auf, hauptsächlich um die Sonnenfinsternis in Suhadj (Oberägypten) — im Mai 1882 — zu beobachten, sodann aber wohl auch, um das Land kennen zu lernen. Auch in Aegypten war er, wenn ich so sagen darf, so glücklich, der Zeuge weltgeschichtlicher Ereignisse sein zu