Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 52 (sequence 35)
- Language
- German
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52 ist auch die lesenswerte Schrift von Arnold Kalischer getragen: Der Ewige, mein Panier. Des Autors Gedanken über die Stellung der Juden in der religiösen Bewegung der Gegenwart verdienen überall gelesen und beherzigt zu werden. Vor allem sollten aber solche Gedanken in der modernen Predigt zum Ausdruck kommen. Mit Recht verlangt man von ihr, daß sie auch in ihrer äußeren Form dem heutigen Zeitstil mehr angepaßt sei, daß sie aus dem modernen Zeitgeist hervorgehe, daß die Prediger ihre Gedanken mit lebendiger Anschaulichkeit entwickeln, daß sie aber nicht mit tiefsinnigen philosophischen Meditationen und großer Gelehrsamkeit prunken möchten. Die Rückkehr zum Midrasch, der eine Zeit lang fast verbannt schien, wird mit Recht angelegentlichst empfohlen. Gerade dort können unsere jungen Prediger lernen, wie man populär, klar und anschaulich zu einem großen, aus verschiedenen Bildungselementen gemischten Publikum sprechen müsse. Die Predigt ist oft nur deshalb unwirksam, weil sie langweilig ist, weil sie weder Kraft noch Klarheit hat, weil sie sich in einem herkömmlichen, aller Gedankenschärfe wie aller tieferen Gemütserregung entbehrenden Kanzelphrasentum bewegt und sich mühselig an zusammengereihtem Bibelstil fortschleppt. Sie kann nur dann wieder eine geistige und versöhnende Macht werden, wenn der Prediger vor allem selbst in das Wesen des Judentums eingedrungen ist, und wenn er die realen Lebensmächte, das ganze reiche Innen- und Außenleben der Menschen in der Gegenwart, in die Predigt hineinzuziehen vermag. Es ist nicht zu verkennen, daß die Predigten, die wir diesmal aufzuführen haben, diesen Forderungen immer mehr zu entsprechen sich bemühen. Es sind interessante, zum Teil vorzügliche Schöpfungen, die von verschiedenen Gesichtspunkten aus das eine große Ziel verfolgen, das Judentum dem modernen Menschen verständlich und sympathisch zu machen. Von deutschen Homilien- Sammlungen sind die von F. Kanter, F. Hillel, Max Ellguther, sowie einzelne Reden von M. Appel,