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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 18

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1909-01-01
Page
18 (sequence 1)
Language
German
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Ö^raripch^ jialjF^F^u^. Bon Gustav Karpeles. fo oft ich daran gehe, die Fülle der literarischen Erscheinungen eines Jahres zu sichten und das Wichtigste herauszuheben, fällt mir jener wunderbare Midrasch ein, der von dem Streit der Bücher in so ergötzlicher Weise zu erzählen weiß. In der großen Bibliothek eines gelehrten Rabbi beginnen in einer mondhellen Nacht die Bücher einen heftigen Streit. Jedes Preist seine Vorzüge und suchte das, was es geleistet, in den rosigsten Farben zu schildern. Am süßesten klingt die, Büchersprache aus Griechenland. In herrlichstem Schwung verkündet sie, wie der Gesang Homers Könige und Völker begeistert, zu Schlachten und zu Siegen und großen Taten entflammt habe. Das Lied von Hellas habe die alte Welt durchtönt, und wer nicht Barbar heißen wollte, trug es im Munde und im Geiste. Und wie das Lied, so war das Wort der Sitte, der Weisheit, der Natur, das von Griechenland durch die Welt ging und diese erzogen hat. Dagegen erhebt sich Rom. Wohl erkennt es die Vorzüge Griechenlands an, aber diese seien doch nur auf einen engen Raum beschränkt gewesen. Rom habe die Welt erobert und wohin es zog, seine Sprache, sein Recht und seine Kultur mitgebracht. Gegen dieses Lob der alten erhebt sich die neue Welt. Der Streit wird immer heftiger, fast scheint es, als wollte es zu keiner Entscheidung um den Kampfpreis kommen. Da ist es eine Stimme, die zuerst leise und kaum verständlich, dann immer lauter und mächtiger

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