Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 12 (1909)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5668
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 15 (sequence 14)
- Language
- German
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15 den Juden doch eine geringfügige Beteiligung zu gewähren. So sind, als Vertreter von sechs Millionen, ganze zwei Juden in die dritte Dunia gelangt und können dort den Schmerzen und den Wünschen der Stiefkinder Rußlands Ausdruck verleihen. In der Duina wurde von den „echt russischen Leuten" die Ausschließung der Juden von der Militärpflicht beantragt, in der offen ausgesprochenen Absicht, ihnen dafür sämtliche politische Rechte zu entziehen; sie wurde indes mit bedeutender Stimmenmehrheit abgelehnt. Alle Einsichtigen unter den russischen Juden haben erkannt, daß man der allmählichen Besserung der politischen und sozialen Zustände ihrer Glaubensgenossen am besten dient, indem man wahre Bildung und Aufklärung unter ihnen verbreitet, ein jederBevölkerungsklasse angemessenes Wissen, sittliches Empfinden und kultiviertes Wesen befördert. Während die Besseren und Klügeren hieran mit aller Kraft arbeiten, hat das eindringende Licht die Dunkelmänner unter den Rabbinern aufgestöbert, die jeder Neuerung mit Bannflüchen begegnen, die mit so vielen Opfern arbeitenden jüdischen Zeitungen verwünschen, sogar Frauen, die ihr eigenes Haar tragen, den Eintritt in die Synagogen verbieten. Hoffen wir, daß es diesen Leuten nicht ebenso, wie in früheren Jahren, gelingen wird, die Masse der russischen und polnischen Juden in ihrer geistigen und sozialen Verkommenheit zu erhalten und damit von neuem den Machthabern die willkommene Gelegenheit zu geben, sie für unverbesserlich zu erklären. Unter Alexander I. und Nikolaus I. hatten diese Menschen die damals wohlmeinenden Absichten der Herrscher vereitelt und damit das Unglück der Juden besiegelt. Was sollen wir von Rumänien sagen? Die Verfolgungen gegen die jüdische Einwohnerschaft, die in diesem Lande seit einem halben Jahrhundert betrieben werden, dauern unausgesetzt fort. Man verjagt sie massenhaft aus Dörfern und Städten und richtet sie damit zu Grunde. Man schließt ihre Kinder von den öffentlichen Schulen aus. Eigentlich ist die Lage der rumänischen Israeliten noch schlimmer als die