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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1909-01-01 · 12 (1909) · p. 7

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
12 (1909)
Article
Rückblick auf das Jahr 5668
Date
1909-01-01
Page
7 (sequence 6)
Language
German
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Mandate davon. Dagegen fiel die antisemitische Partei vollständig aus, ihre beiden früheren Vertreter kehrten nicht mehr in das hohe Haus zurück. Sonst ist an dessen Physiognomie wenig verändert, und es fragt sich, wie lange noch die vom Reichskanzler künstlich herbeigeführte konservativ-liberale Paarung das natürliche konservativklerikale Bündnis mit seiner gewaltigen Mehrheit ersetzen wird. Bedenklicher noch als diese vorübergehenden politischen Vorgänge ist die Langsamkeit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung Preußens, die, verglichen mit dem weit schnelleren Anwachsen der christlichen Bevölkerung, verhältnismäßig eine Abnahme bedeutet. Während im Jahre 1871 die Juden noch 1,32 Prozent der Gesamteinwohnerschaft des preußischen Staates ausmachten, sind sie fortdauernd bis zum Jahre 1905 auf 1,10 Prozent herabgesunken; sie haben also genau ein Sechstel ihres bisherigen verhältnismäßigen Bestandes eingebüßt. Dieser Rückgang ist gar nicht auf Auswanderung zurückzuführen; denn die Mehreinwanderung von Juden in Preußen beträgt für das Jahrfünft 1901—1905 etwas mehr als 12 000 Seelen. Auch nur zum minderen Teil ist, der Uebertritt zum Christentum daran schuld: zum größten Teil die geringe Zahl von Geburten. Der durchschnittliche Ueberschuß der jüdischen Geburten über die Sterbefälle macht auf das Jahr nur 1634 aus. Allerdings dürfen wir in diesem traurigen Ergebnis Nicht ein Zeichen abnehmender Lebenskraft der preußischen Juden sehen. Es ist vielmehr eine längst feflgestellte Tatsache, daß wegen der Schwierigkeiten, standesgemäßer Verheiratung, wegen der Sorge der Gatten um Aufrechterhaltung des Vermögens, wegen des Wunsches der Frauen nach bequemem Leben und nach Bewahrung ihrer körperlichen Vorzüge die Ehen der wohlhabenden Klassen durchschnittlich weit weniger fruchtbar sind als die der unbemittelten. Die Juden aber sind durchschnittlich wohlhabender und fürsorglicher als die Christen, und deshalb ist die Fruchtbarkeit bei ihnen geringer als die der Gesamtbevölkerung. Allein gerade bei einer ohnehin an Zahl so geringfügigen

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