Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 7 (1904)
- Article
- Est deus in nobis!
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 55)
- Language
- German
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243 das mochte wohl seinem frommen Sinne genügen, und indem er seine Hand segnend aus das Haupt des jungen Mannes legte, richtete sich sein Auge mit verklärtem Ausdrucke himmelwärts: „Dank Dir, o Ewiger, der Du die Blinden sehend machst und die Ungläubigen erleuchtest!" „Komm, mein Sohn," wandte er sich dann an Photius, „geleite mich in die Synagoge, dort im Angesichte der heiligen Thora will ich Dich ausnehmen in den Bund unserer Religion." Die Nacht war herabgesunken und verhüllte mit grauen Schatten die Erde. Der Himmel war mit dunklem Gewölke umzogen, jetzt aber teilten sich die schweren Wolkenmassen und voll und groß beleuchtete mit sieghaftem Glanze der Mond die schweigende Nacht. Durch die stillen Straßen schritten Photius und der greise Rabbi dem Gotteshanse zu. Jetzt tauchte, vom silbernen Lichte des Mondes märchenhaft umwoben, das Tempelgebäude vor ihren Blicken empor und sie betraten mit ehrfürchtigem Schweigen den geweihten Raum, den sie nach Tagesanbruch erst verlassen sollten — der Rabbi glücklich, selig, ein verirrtes Kind heimgeführt zu haben in die Arme des ewigen Gottes — Photius aber, zu glauben, zu kämpfen und zu siegen. 16»