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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1904-01-01 · 7 (1904) · p. Seite 191

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
7 (1904)
Article
Est deus in nobis!
Date
1904-01-01
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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191 Noch einmal erhob sich das starre Kinderauge, noch einmal öffnete sich wie zu heißem Flehen der bleiche Kindermund, schon streifte der heiße Atem der Bestie die zuckende Gestalt und unheimlich glühten zwei Feuerfunken vor ihren Augen . . . . da plötzlich ging eine Bewegung durch die zu Tod erstarrte Menge .... in fliegender Hast bahnte sich durch das zu Stein erstarrte Volk, glitzernd von Gold und Edelsteinen, umwallt von kostbaren Gewändern, eine weithin leuchtende Gestalt den Weg zu dem Todesopfer hin. Ihr Anblick versetzte die wild dahinstürmende Menge in maßloses Erstaunen, überall, wo sie vorbeikam, stockte der Fuß der Flüchtenden und bei ihrem Nahen sanken sie zur Erde hin und berührten mit dem Kopfe den Boden. Schon hatte der Bär die Pranke erhoben, um das unglückliche Kind in tötlicher Umarmung zu umfangen — da wurde mit gewaltigem Rucke der mächtige Leib von seinem Opfer hinweggcrissen, ein kräftiger Arm schlug die erhobenen Pranken nieder und ein sieghaftes Augenpaar senkte sich in die rotglühenden Augen des Tieres, es festhaltend mit seinem magischen Blicke, es bändigend mit dämonischer Gewalt, es niederzwingend einem kleinen Hündchen gleich zu den Füßen der in Gold und Edelsteinen prangenden, in bezaubernder Schönheit strahlenden Gestalt Theodoras, der Kaiserin. Jetzt erst erwachte die zu Tode erstarrte Menge aus der lähmenden Betäubung, setzt erst vermochten sie die erschlafften Glieder zu regen zu neuerwachtem Leben und ein tausendstimmiger Jubelruf entrang sich den gepreßten Herzen, und wuchs und schwoll an zu mächtigem Gebrause und durchschwirrte das Haus und pflanzte sich fort, weit durch die Straßen der Stadt: „Heil Theodora! Heil der Retterin! Heil der Kaiserin Theodora!" Mit stolzer verächtlicher Geberde hatte die Kaiserin den Jubelruf vernommen, der aus tausenden von dankerfüllten Herzen zu ihr drang — mit gleichgiltiger Miene sah sie auf alle die Menschen hin, die ihr da Heil zuriefen und die sie priesen und ihr zujubelten, als der Retterin eines unschuldigen Kindes; dann wandte sie sich ab von der wetterwendischen Menge, die heute ihren Mut und ihre Heldentat bewunderte und die doch bei. der nächsten Gelegenheit nicht davor

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